Grausame Wortschöpfung, tolle Erfindung: die „Mondtasse“

10 Apr

Ursprünglich wollte ich zu diesem Thema einfach einen Artikel kopieren, den ich vor einiger Zeit (ziemlich am Anfang meiner „grünen Phase“) auf http://www.lizzynet.de veröffentlicht habe. Aber beim Lesen ist mir nicht nur wieder einiges eingefallen, was ich fast verdrängt hatte, sondern auch aufgefallen, dass das einfach nicht mehr meine Worte sind. Also gibt es nur für diesen Blog einen niegelnagelneuen Artikel zum Thema (fast) abfallfreie Monatshygiene. Wer lieber nicht mit den „blutigen Details“ konfrontiert werden möchte, der möge ihn bitte nicht lesen.

Vorweg muss ich sagen, dass es natürlich viele Wege gibt, die klassischen Tampons oder Binden ein bisschen umweltfreundlicher zu nutzen. Man kann beispielsweise Tampons aus Biobaumwolle kaufen oder waschbare Binden benutzen.

Für mich das – nach meinem bisherigen Wissensstand – Nonplusultra ist aber der „menstrual cup“. Man möge mir den Anglizismus verzeihen… aber Menstruationstasse klingt einfach zu blöd. Der Begriff wird ja wohl nur noch übertroffen von der allen ernstes verwendeten deutschen übersetzung von „mooncup“ – „Mondtasse“!

Aber wie man es auch immer nennen mag – das Produkt, von dem ich spreche, ist ein kleiner Becher aus flexiblem Material, der sich wie ein Tampon einsetzen lässt und die Menstruationsflüssigkeit auffängt (nicht aufsaugt), bis er beim nächsten Toilettengang entleert werden kann. Die meisten „Tassen“, die ich kenne, bestehen aus Silikon, es lässt sich also darüber streiten, ob man sie „plastikfrei“ nennen kann – obwohl Silikon zumindest nicht aus Erdöl hergestellt wird. Der „Keeper“, die erste Menstruationstasse, von der ich je gelesen habe, ist allerdings auch aus Naturkautschuk erhältlich. Ich habe keine Ahnung, ob er auch in Deutschland zu haben ist – aber meiner Ansicht nach ist bereits die Silikonvariante umwelttechnisch um ein vielfaches besser als Einwegprodukte jeder Art – selbst, wenn sie aus biologisch angebauter Baumwolle bestehen. Denn auch diese muss ja für jeden Tampon und jede Binde neu herangezogen werden, wohingegen eine Menstruationstasse jahrelang, nach Auskunft des Herstellerst etwa zehn Jahre, verwedet werden kann.

Für meinen ersten Artikel habe ich dazu eine kleine Rechnung durchgeführt:

„Gehen wir davon aus, eine Frau, die mit 12 ihre Tage bekommt und mit 50 mit dem Thema abgeschlossen hat, benutzt ihr Leben lang nur Binden. Das macht 38 Jahre, in denen sie jeden Monat, sagen wir, drei Tage lang (und das ist meiner Erfahrung nach eine eher optimistische Schätzung) auf Binden angewiesen ist. Und sind wir weiterhin optimistisch und sagen, sie kommt mit vier Binden am Tag aus.

38 * 12 = 456

456 * 3 = 1368

1368 * 4 = 5472

In Worten: Fünftausendvierhundertzweiundsiebzig Binden in einem Frauenleben! Die selbe Rechnung liesse sich natürlich auch auf Tampons anwenden.

Die Küchenwaage, die ich zur Verfügung habe, ist kein Wunder an Genauigkeit, aber nach dem, was ich ablese, wiegt eine mittelgrosse Binde bzw. ein mittelgrosser Tampon zwischen fünf und zehn Gramm – gehen wir für diese Rechnung mal von sieben aus.

5472 * 7 = 38304

Also etwa 38 Kilo Müll, das aufgesogene Blut noch gar nicht mitgerechnet!

Wie war das jetzt mit den finanziellen Vorteilen? Auch auf die Gefahr hin, euch zu langweilen, muss ich noch mal ein bisschen vorrechnen: Eine Packung always-Binden, Inhalt 14 Stück, kostet ca 3,50 €. Es gibt billigere Marken, also sagen wir, um die drei Euro für 14 Stück.

5472 / 14 = gerundete 391

391 * 3 Euro = 1173 Euro

Dafür könnten wir uns 117 Taschenbücher für je 10 Euro kaufen. Oder 14 Paar Schuhe für je 80 Euro.

Natürlich gibts den mooncup, Diva-Cup, Keeper und wie sie alle heissen auch nicht ganz umsonst. Die meisten Modelle kosten zwischen zwanzig und dreissig Euro, manche etwas mehr. Aber dafür sollen sie, bei richtiger Pflege, bis zu zehn Jahre einsatzfähig sein, das hiesse dann laut unserer Rechnung, 120 Euro Unkosten.“

Dem darf ich vielleicht noch hinzufügen, dass auf der Keeper-Homepage die geschätzte Zahl der Binden bzw. Tampons, die eine Frau in ihrem Leben verbraucht, ca. drei mal so hoch angesetzt wird, wie ich es in meiner vorsichtigen Rechnung getan habe.

Dabei war für mich die Abfall-Ersparniss zwar der erste Anreiz, mir eine Menstruationstasse anzuschaffen, aber ich habe bald noch einen weiteren unschätzbaren Vorteil entdeckt: mit meinem mooncup passiert es mir nie wieder, dass ich, während ich meine Tage habe, unterwegs bin und mir auf einmal die Tampons ausgehen. Gut, das mag nur ein Problem sein, wenn man so chaotisch veranlagt ist wie ich, ich bin schon gewillt, zu glauben, dass es Frauen gibt, die IMMER daran denken, ein paar Extratampons einzupacken. Ich nicht. Und Klopapier als Ersatzbinde ist… nicht meine erste Wahl.

Der Mooncup muss dagegen nicht ausgewechselt werden, er wird einfach bei Bedarf entleert, mit Wasser ausgespült (oder, wenn es mal gar nicht geht, weil man sich z.B. auf einer öffentlichen Toilette befindet und das blutige Ding nicht mit ans Waschbecken nehmen will, zur not auch so belassen, wie er eben ist) und wieder eingesetzt.

Zum „Einsetzen“ gibt es sogar verschiedene Falttechniken, habe ich mir sagen lassen – ich muss sagen, ich war nie geduldig genug, das zu probieren. Meiner wird einfach so behandelt, wie es am praktischsten ist.

Um das Ganze hygienisch zu gestalten, muss der Becher natürlich gründlich gereinigt werden, bevor er wieder für fast einen Monat in den Schrank oder wohin auch immer wandert – abkochen oder kurzes Einlegen in verdünnten Essig bieten sich da an.

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6 Antworten to “Grausame Wortschöpfung, tolle Erfindung: die „Mondtasse“”

  1. Stepheph 12. April 2011 um 10:16 #

    Jaaa, die Mondtasse!! (Ich find den Neologismus gar nicht so schlecht – aber „Mooncup“ hört sich für uns Deutsche natürlich stylischer an 😉 )

    Ich wollte mir ja damals, nachdem du mich darauf gebracht hast, einen Mooncup in der Apotheke bestellen (Lieferzeit ca. 7 Tage), aber stattdessen hab ich eine andere Marke, den „DivaCup“ bekommen.

    Etwas weicher als der Mooncup, glaube ich entfaltet er sich nach dem Einsetzen etwas schwerer. Aber das ist echt wichtig, wenn das ganze funktionieren soll. Vor allem, er darf nicht mal flach gedrückt sein, sondern muss ganz rund sein, ansonsten entsteht nicht der benötigte leichte Unterdruck.

    Ich bin für „Tampon/Binde vergessen“ ein ganz klassischer Kandidat. Ich merke mir ja auch kaum, wann die Tage wieder kommen müssen 😉 Was ich auch klasse finde, ist dass an den leichteren Tagen mit weniger Blut der Divacup/Mooncup viel angenehmer ist als Tampon. Das ist richtig kratzig und unangenehm was der alles aufsaugt -.-

    Und ich habe es auch schon mal so gemacht, dass ich an Tagen an denen ich große Sorgen hatte dass ich irgendwann zwischendrin meine Tage bekomme, meinen DivaCup einfach vorsorglich eingesetzt habe. Klappt gut! *fähnchen schwing*

    • stepheph 1. August 2011 um 11:15 #

      UND! ich finde den Geruch von altem Blut in der Binde immer ganz abstossend, der ist dann (selbst wenn der Abfall im Bad einen Deckel hat) auch nicht vorhanden mit dem Mooncup.

  2. posy 1. Mai 2013 um 19:38 #

    Interessante Alternativer und ein super Titel dazu. Ich habe bisher nie über Alternativen zu den gewöhnlichen Hygiene-Artikeln nachgedacht, und auch nicht über die Kosten die aufkommen, wenn man diese verwendet. Dein Artikel ist wirklich sehr aufschlussreich und informativ. Vielen Dank für den Denkanstoß. Weiter so

    Im Übrigen gefällt mir die Strickhülle sehr gut.

    MfG Posy

  3. Iliane 21. Dezember 2014 um 15:05 #

    Also der Mooncup ist schon recht „starr“. Das ist ja das Problem bei anderen „Tassen“, dass sie teils zu soft sind und daher nicht korrekt abschließen. Hängt natürlich auch wieder davon ab, wie man gebaut ist. Ich denke, man sollte wenigstens 2-3 Becher bzw. Größen probiert haben. Kann ja auch nie falsch sein, Ersatz im Schrank zu haben. 🙂

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  1. Der nützlichste Gegenstand im Universum | mueckeblog - 24. März 2013

    […] Das ist ein seltsames Gefühl, wo ich doch normalerweise über so unpersönliche Dinge wie meine Monatshygiene schreibe (mal ehrlich, wer unterhält sich darüber nicht mit jedem beliebigen Fremden auf dem […]

  2. Neues Jahr, neuer Cup! | mueckeblog - 9. Januar 2014

    […] 1 Die Binden habe ich mal dreilagig aus einem alten Handtuch genäht, und befestige sie mit einer Sicherheitsnadel, zusammen mit meinem DivaCup sind sie zweckmäßig. 2 Der DivaCup ist nun immerhin 3 Jahre alt, in meinem Fall ein Ersparnis von mind. 150 Euro. […]

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