Zukunft Bioplastik?

28 Mai

4333963953_05d88aa75d_o
Bei meinem letzten Besuch bei meiner engen Freundin Rebecca, der Mitbegründerin dieses Blogs, hatten wir eine interessante Diskussion über Bioplastik. Obwohl ich mir bewusst bin, dass Bioplastik – also biologisch-abbaubares Plastik – auch seine Tücken hat (dazu mehr später) war ich überrascht, dass Rebecca relativ negativ zu diesem Thema eingestellt war.

Meine Meinung ist, dass umweltfreundliche, ökologische Lösungen praktisch und den Massen zugänglich sein müssen, um Fuß zu fassen. Aber ich würde es begrüßen, wenn (gesundheitlich hoffentlich unbedenklicher) Kunststoff aus erneuerbaren Ressourcen seinen schädlichen Vorgänger – Plastik aus Erdöl – ersetzen würde.

Rebeccas Argumentation war, dass Ressourcen, die normalerweise für Nahrungsmittel verwendet würden, stattdessen in Bioplastik umgewandelt werden. Ich persönlich halte dass nun für ein Problem, dass durch Bioplastik nicht vergrößert würde, aber natürlich muss man sich dieser Problematik bewusst bleiben. Besonders wenn man bedenkt, dass aus Monokulturen wie Mais sowieso eher Benzin und Fruktosesyrup gewonnen wird. Oder dass viel der produzierten pflanzlichen Nahrung als Futtermittel in der Massentierhaltung endet. Ich finde, man sollte in Hinsicht auf Maßentierhaltung und (eher der Fall in den USA) vielleicht auch mal auf Maissirup als Zutat einfach ersatzlos zu verzichten.

Ich freue mich, wenn ich eine biologisch-abbaubare „Plastik“tüte in der Hand habe, oder dass die Swaks aus Zellulose sind. Plastik als Gebrauchsgegenstand ist ja an sich eine feine Sache: Plastik hält Lebensmittel frisch und ist leichtgewichtig im Transport und flexibel. Aber, die Folgen von einem Werkstoff, der nicht innerhalb von wenigen Jahren in der Natur abbaubar ist, werden immer offensichtlicher. Mikroplastik findet sich nicht nur in unseren Körpern wieder, sondern auch an den entlegensten Stränden der Erde. Die Meere werden vom Plastik zugemüllt und behindern das Ökosystem nicht nur und wird von Tieren anstatt Nahrung aufgenommen, die hormonähnlichen Substanzen verändern , die das Plastik ausblutet verändert in unserem Blut und Essen, permanent vermüllte Meere und Hormonähnliche Substanzen die das Plastik ausblutet absieht.

Leider ist nicht alles Gras, was grün ist: Man kann Plastik und Bioplastik nicht unterscheiden. Kennt ihr das ratlose Gefühl, wenn ihr eine Bioplastik Tüte entsorgen wollt? Einfach auf den Kompost? Oder einfach in den Müll? In die Tonne für die Biogasanlage kann Bioplastik nicht – dazu verrottet es angeblich zu langsam. Ist wohl je nach Bioplastiksorte unterschiedlich. Vor allem auch darauf achten, ob tatsächlich kompostierbar oder biologisch-abbaubar auf den Produkten steht. Wenn nicht, bleibe ich eher kritisch.

7434532888_e3efa32082_o

Einen interessanten Beitrag zum Verpackungsmüll Dilemma und der Plastik Problematik liefert Bärbel Wossagk in ihrer Radiosendung, die letzten Samstag gesendet wurde. Hier kann man den Podcast anhören. Nagut, ich geb’s ja zu: Meine heisere Stimme kriegt man da im Gespräch mit Bärbel auch für ein paar Minuten zu hören (schäm).

Aber wo kriegt man denn dieses Bioplastik her? Es gibt inzwischen einige Internetshops, die sich an der Nachfrage orientieren – Nina aus Klagenfurt zum Beispiel, ist eigentlich Architektin, aber hat ihren Onlineshop „Plasticarian“ eröffnet, um mal geballt plastikfreie Alternativen anzubieten. Derart spezialisiert auf „Plastikfrei“ ist der Avocadostore und der Froschkingshop nicht, aber gerade bei letzterem erschlägt einen die schiere Auswahl an ökologischen und auch plastikfreien Alternativen geradezu. Von Keksausstechern aus Biokunststoff bis Aufbewahrungsdosen ist auf jeden Fall alles dabei.

Update 17.11.2014: Sozusagen das deutsche Gegenstück zum österreichischen „Plasticarian“ hat nun Susan aus Konstanz vor kurzem den plastikfreien Shop „Monomeer“ eröffnet.

Bildquelle:
Bild 1: Tracy the astonishing unter cc-by-sa-2.0
Bild 2: Doug Beckers unter cc-by-sa-2.0

Advertisements

7 Antworten to “Zukunft Bioplastik?”

  1. Stadtpflanze 29. Mai 2014 um 12:10 #

    Ich glaube um ehrlich zu sein, dass wir grundsätzlich genug Ressourcen haben, um Bioplastik herzustellen. Er wird z.T. auch aus nicht essbaren Pflanzenteilen gemacht.

    • stepheph 29. Mai 2014 um 16:53 #

      Hey, stimmt ja! Hatte ich gar nicht bedacht 🙂

  2. widerstandistzweckmaessig 5. Juni 2014 um 19:40 #

    Ich persönlich stehe dem eher SEHR kritisch gegenüber, vor allem, weil Bioplastik dazu neigt, Menschen zu einem verschwenderischen Umgang damit zu veranlassen. Es werden Biomüllbeutel aus Bioplastik hergestellt. Es ist für mich Wahnsinn, etwas herzustellen, was per se für den Müll bestimmt ist um Müll zu sammeln!

    Und es ist immer noch besser meine Einkaufstasche mitzunehmen als eine Bioplastiktüte für die Einkäufe zu nehmen.

    Im Wegwerfbereich kann ich Bioplastik daher rein gar nichts abgewinnen, dazu verleitet es viel zu sehr verschwenderisch damit umzugehen.

    Anders ist es bei wiederverwendbaren Bioplastik – aber soviel ich weiß, hat sich das leider nicht wirklich durchgesetzt bisher.

    lg
    Maria

    • stepheph 11. Juni 2014 um 19:34 #

      Hi Maria,
      nun, natürlich sollte man eine möglichst müllreduzierte Lebensweise anstreben und Neuerung wie z.B. Bioplastik nicht kritiklos gegenüberstehen (als Laie kann man nun nicht sagen wie sich der Stoff, der sich dann im Boden anreichert verhält. Aber ich möchte eigentlich eine „ideologisch aufgeladene“ Verurteilung von anderen Lebensweisen vermeiden, bzw das Müll das schlimmste Vergehen ist. Vor allem in Hinsicht darauf, dass die Herstellung von Baumwolltaschen und anderen Langlebigen Produkten viel mehr Energie, Rohstoffe, Wasser, usw verwendet als 100 Ausgaben der Einmalprodukte. (Und die Taschen muss dann jeder auf konsequent verwenden) Dasselbe mit Transportkosten und Treibstoff/Erdölverbrauch beim Transport schweren, in Glas verpackter Ware.
      Klar, Blauäugig deswegen Bioplastik als Lösung zu verkünden ist Unsinn. Aber ich finde, wenn Bioplastik als Material verantwortungsvoll verwendet wird (naja… da habe ich wenig Hoffnung für) hat es eine Zukunft.
      Ansonsten halte ich natürlich eine möglichst müllarme, lokalte Herstellung aller Lebensmittel und Gegenstände auch am Besten, wenn auch für die Allgemeinheit momentan nicht unbedingt umsetzbar.
      liebe Grüße,
      Stephanie

      • widerstandistzweckmaessig 12. Juni 2014 um 22:40 #

        Hallo Stephanie!

        Dass man Baumwolltaschen so lange verwenden muss, damit sie wirklich ökologische Vorteile bringen, weiß ich. Meine ältesten Taschen sind rd. 20 Jahre alt und ich verwende sie noch immer gerne und regelmäßig. Statt einem Plastiksackerl eine Stofftasche zu kaufen und diese dann nicht mehr zu verwenden ist natürlich Schwachsinn. Falls es mir doch mal passiert, dass ich nichts mit habe, verwende ich Verpackungskartons, um meine Einkäufe mitzunehmen.

        Es ist nicht immer einfach, ich weiß, und es ist vor allem nicht immer für die Mehrheit praktikabel. Mir ging es hauptsächlich darum zu sagen, Bioplastik-Einwegproduktes sind insofern nicht per se gut, wenn man es gedankenlos verwendet, weil es ja eh BIO ist, dann richtet es mehr Schaden als Nutzen an.

        Aber im längeren Gebrauch ist es sicher eine gute Lösung weg vom Erdölprodukt.

        lg
        Maria

      • stepheph 13. Juni 2014 um 07:49 #

        Da stimme ich dir auf jedenfall zu. „Bio“ ist leider kein Garant für einen ethischen Einkauf.
        Lg, Stephanie

  3. Remo 15. Dezember 2014 um 01:51 #

    Ich hab neulich im Lidl eingekauft und eine Mitarbeiterin beobachtete mich und sagte: Also sowas hätte sie ja noch nie gesehen, was ich da mache.

    Sie ärgerte sich, daß ich das hier machte:

    Ich mache beim Einkaufen mit Plastikverpackungen, die oft noch zu groß (das Produkt soll ja größer aussehen als der Inhalt in Wahrheit ist, so machen Konzerne mehr Geld) sind, folgendes:

    Ich nehme am Gemüsestand mehrere dünne Plastiktüten mit und fülle nach dem Einkauf, also nach Bezahlen an der Kasse um, was sich umfüllen läßt. Die Packung Mohrrüben öffne ich und fülle die Möhren in so eine dünne Plastiktüte. Die kann ich nämlich wiederverwenden. Sie wiegt weniger und ist wiederverwendbar.

    Und selbst Fischverpackungen oder Fleischverpackungen öffne ich, packe das Fleisch oder den Fisch, indem ich mir vorher eine dünne Pastiktüte vom Gemüsestand über die Hand ziehe und stülpe sie dann um und der Fisch ist drin.

    Diese dünnen Plastiktüten kann ich zwar nicht wiederverwenden aber zusammengeknüllt sind sie in meinem Abfall nicht einmal 1 Zm. groß, also viel kleiner als die dicken Originalverpackungen.

    Auch bei Obst und Gemüse, das unnötig verpackt und eingeschweißt ist in Plastikformen, kann man das machen.

    Auch, wenn mich die Leute manchmal komisch anschauen: Ich finde, die Konzerne sollen ihren Plastikmüll selbst behalten und entsorgen. Vielleicht achten sie dann einmal mehr auf weniger Verpackungsmüll.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: