Der Zyklus-Monitor: Menstruations-Apps, Websites und -Chroniken

12 Sep

Willkommen, ihr Mondgöttinnen! 😉

Da dieser Blog von zwei Menschen aus dieser demographischen Gruppe betrieben wird, heute mal wieder ein Beitrag, der hauptsächlich für menstruierende Menschen von Interesse sein dürfte.

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BLUTBLUTBLUTBLUTBLUT!
Ein Beitrag für alle, die nicht wie Lady Macbeth ständig rot sehen wollen.

Seit ich auf die dunkle Seite der Macht gewechselt, also unter die Smartphone-User gegangen bin, habe ich angefangen, mich für ein Phänomen zu interessieren, das mir zuvor völlig fremd war: Apps, Websites und andere Hilfsmittel, die mensch dabei helfen, den (meistens eigenen) Menstruationszyklus im Auge zu behalten. Zwar habe ich während meiner Schulzeit zeitweise versucht, über Kalender-Eintragungen meine Blutungen im Gedächtnis zu behalten und damit besser darauf vorbereitet zu sein, wann ich mich das nächste Mal mit Tampons und Schmerzmitteln ausstatten sollte (das war noch vor meiner Zeit als Mooncup-Enthusiastin), aber mein Kalender-Gebrauch beschränkte sich meistens auf eher kurze Affären, und wann immer ich wieder mit guten Vorsätzen anfange, einen zu führen, endet er nach einigen Wochen oder Monaten doch wieder als Staubfänger.

Mein Handy allerdings ist, zumindest seit ich ins Unileben gestartet bin, ein zwar nicht permanent genutzter, aber doch ständiger Begleiter. Und weil ich außerdem zur Faulheit neige, fand ich den Gedanken, dass mir ein Programm die Denkarbeit abnehmen könnte, auf meine nächste Periode vorbereitet zu sein, sofort sympathisch. Seitdem habe ich gemerkt, dass diese Option durchaus auch Menschen offen steht, die keine Smartphones besitzen, also potentiell für alle menstruierenden Leserinnen dieses Blogs interessant sein sollte. Natürlich sagt es einiges darüber aus, wie ich mit meinem Körper und meiner Umgebung umgehe, dass ich es als Erleichterung empfinde, den Überblick über meinen Zyklus einem technischen Hilfsmittel anzuvertrauen… Aber schließlich soll das hier kein selbstreflektiver Essay werden. Stattdessen ein kurzer Überblick darüber, was Perioden-Tracker leisten, bevor ich näher darauf eingehe, warum ich diese Hilfsmittel für potentiell ökofreundlich halte.

Im Prinzip operieren alle Tracker, denen ich bisher über den Weg gelaufen bin, nach dem selben Prinzip: mensch hält Informationen fest über die Tage, an denen der Körper Blut absondert, und erhält darauf aufbauend eine Prognose, wann es das nächste Mal losgeht. Smartphone-Apps (und ich vermute, auch webbasierte nicht-Smartphone-Services, obwohl ich diese nicht persönlich ausprobiert habe) operieren meist mit einem Standardzyklus, der davon ausgeht, dass die nächste Periode z.B. 28 Tage nach Ende der vorhergehenden startet. Mit der Zeit werden dann aus den tatsächlich eingegebenen Daten die für die Einzelnutzerin zutreffenden Zykluszeiten errechnet.  Je nach Kompexität des Programms lassen sich außerdem weitere Einzelheiten festhalten, z.B. welche Schmerz- und sonstigen Symptome an den einzelnen Tagen präsent waren, welche Körpertemperatur damit einhergeht, etc. Einige Anwendungen beschränken sich auf Aussagen über zurückliegende und bevorstehende Blutungen, andere markieren auch fruchtbare und unfruchtbare Tage. Ich selbst benutze die App „Period Tracker„, weil sie mir unter allen verfügbaren Designs noch am vertretbarsten und nützlichsten erschien – ein Aspekt dieser Programme, der mir gewaltig auf die Nerven geht, ist nämlich ihre hyper-feminine Darstellung, die anscheinend nicht ohne vieel Pink und Blümchen auskommt. Dass es auch menstruierende Menschen gibt, die andere Farben favorisieren und die das Wort „fruchtbar“ auch ohne Blümchen-und-Bienchen-Allegorie verstehen, scheint den Macher*innen noch nicht aufgegangen zu sein. Die einzigen nicht-pinken Apps, die ich zu diesem Zweck finden konnte, sind ausgesprochene Machismo-Manifestationen, die es Männern ermöglichen sollen „die verrückten Launen ihrer crazy Bitches“ im Auge zu behalten. Offensichtlich liegt mir nichts daran, den Gedanken zu unterstützen, dass menstruierende Frauen gefährliche Emotionsbomben sind, vor denen sich Männer in Acht nehmen sollten, weshalb ich diese Programme sicher nicht nutzen werde. Für Menschen, die ein technikbasiertes Zyklus-Kalenderprogramm nutzen wollen, aber kein Smartphone haben oder es dafür nicht nutzen wollen, gibt es Angebote wie MonthlyInfo.com (Erinnerungsnachrichten per e-Mail oder SMS), und für diejenigen, die ganz und gar analoge Methoden bevorzugen, Kalenderbücher, in denen sich die entsprechenden Informationen festhalten lassen.

Warum denke ich nun, dass es potentiell ökologisch sein könnte, solche Programme zu nutzen?

Zwar bringen sie eine gewisse Techniknutzung mit sich, aber zumindest die Smartphone- und Internetbasierten Angebote erfordern keine Anschaffung von weiterem Equippment, was den ökologischen Fußabdruck minimal macht. Dagegen helfen die Programme vergesslichen Menschen wie mir, auf die nächste Periode vorbereitet zu sein, und eliminieren damit die Notwendigkeit, schnell auf irgendwelche improvisierten (Einweg-)Monatshygiene-Artikel zurückzugreifen.

Darüberhinaus machen die meisten Anwendungen, wie bereits erwähnt, Aussagen über fruchtbare und unfruchtbare Tage und bieten damit eine Möglichkeit, auch für Verhütungszwecke auf weniger abfallgenerierende Methoden zurückzugreifen.

Zu diesem Zweck gibt es außerdem mehrere Verhütungscomputer mit eingebautem Thermometer (die Basalthemperatur, die man möglichst vor dem aufstehen misst, erhöht sich offenbar, wenn man seinen Eisprung hat) und Funktionen um seine Perioden und Zyklusschleimkonsistenzen etc einzugeben. Aber es gibt auch, wer nicht mehrere hundert Euro für ein Thermometer ausgeben möchte, Computerprogramme, die die selbe Funktion erfüllen können. Ganz analog kann man mit einem Thermometer und Fingerspitzengefühl auch alles in einen speziellen Kalender eintragen wie z.B. in den „Alle meine Tage“ Menstruations- (und bei Bedarf Fruchtbarkeits-) kalender. Leider mit ein paar Blümchen. Auch hier kann man sowohl Stärke der Periode sowie die Länge eintragen.

Der Zweck, den alle diese Fruchtbarkeitsmessungen verfolgen, ist je nach Lebenssituation ein unterschiedlicher: entweder, sie helfen, die fruchtbaren Tage zu ermitteln und somit die Chance auf Empfängnis zu erhöhen, wenn die Zeichen gerade auf Familienerweiterung stehen. 🙂 Oder aber sie geben Auskunft darüber, an welchen Tagen keine Gefahr besteht, schwanger zu werden, und eliminieren damit an diesen Tagen die Notwendigkeit, zur Verhütung etwa auf Kondome zurückzugreifen (sofern man diese nicht zum Schutz gegen Geschlechtskrankheiten benötigt).

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