FLEISCH!

2 Jul

Oder: Warum ich es eigentlich ganz angenehm finde, größtenteils vegan zu leben.

Mein Bedürfnis nach fleischiger Zusatznahrung hat inzwischen stark abgenommen. Während ich gegen Anfang meines Studiums noch ab und an Anfälle von Dönerentzug hatte, quält mich die Lust heute höchstens dann, wenn ich am familiären Mittagstisch sitze und vor mir die Schnitzel in der Pfanne duften – und auch dann kann ich meistens relativ gelassen bleiben.

Nun hat es sich aber ergeben, dass im letzten Sommer einige Kilo Grillfleisch aus Fachschaftsbeständen in meinem Kühlfach eingelagert wurden, die inzwischen niemand mehr haben will, weil sich alle Sorgen machen, Fleisch könnte nach dieser Zeit schlecht geworden sein. Ich gebe zu, ich bin da etwas naiv-unvorsichtig und frage mich nur: Im Tiefkühlfach? Wie denn das?

Vor allem aber bringe ich es absolut nicht übers Herz, Lebensmittel, die nicht offensichtlich verdorben sind, wegzuwerfen. Weshalb ich gestern Abend beschlossen habe, die Bestände anzugreifen und teilweise dem Verzehr zuzuführen. Wer wirft denn auch ohne schlechtes Gewissen Lamkoteletts weg? Zugegeben, sie schmeckten ganz gut, aber alles in allem fühle ich mich seltsam wenig versucht, wieder mehr Fleisch zu essen. Stattdessen fielen mir eine Menge Sachen auf, die ich bisher ganz verdrängt hatte:

– Rohes Fleisch hat noch viel, viel mehr als gekochtes/gebratenes von dem Kadaver, dem es entstammt. Während ich früher dem gegenüber überhaupt keine Hemmungen hatte (und es sogar albern fand, wenn z.B. meine Klassenkameradinnen sich vor in einem Bio-Lehrfilm gezeigten Tierleichen ekelten), muss ich zugeben, dass es mich diesmal irgendwie gruselte, in diese Fleischmasse zu fassen.

– Man muss alles, aber auch wirklich alles, ständig abwischen, wenn es mit rohem Fleisch auch nur annähernd in Berührung kam. Gemüse ist da deutlich pflegeleichter.

– Fleisch macht eine Wahnsinnssauerei. Mein ganzer Herd war mit Fett bespritzt… na, dann viel Spaß beim Putzen.

– Fleisch ist ANSTRENGEND zu essen. Gut, das lag zum Teil sicher daran, dass dieses seine Knochen noch hatte, ein Schnitzel ist doch im Normalfall einfacher zu zerlegen. Trotzdem, so einfach wie Nudeln und Gemüse isst es sich nicht.

– Fleisch ist gefährlich – zumindest wenn man dem spritzenden Fett aus der Pfanne nicht rechtzeitig ausweicht. Aua!

Alles in allem – nein, ich bereue es eigentlich nicht, gemüselastig zu kochen.

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5 Antworten to “FLEISCH!”

  1. Stella 3. Juli 2012 um 15:54 #

    Dass Fleisch anstrengend zu essen ist, ist ja kein Grund. Ich habe neulich in einer ARD-Reportage gesehen, dass es unseren Kiefern heute eher schlecht geht, weil wir nicht mehr ordentlich kauen müssen. Also doch öfter mal in eine rohe Möhre beißen. Den Rest kann ich absolut nachvollziehen 🙂

    Und herzlichen Glückwunsch wollte ich euch noch sagen, euer Blog wird im Buch ‚Plastikfreie Zone‘ von Sandra Krautwaschl erwähnt! Sehr coole Sache.

    • repek 3. Juli 2012 um 16:01 #

      @.@ Ehrlich? Wie cool. Was steht denn da über uns? (Aber peinlich, dass der Blog dann gerade jetzt so inaktiv ist…) Ich muss mir das Buch sowieso mal anschauen – leider kann ich mich nicht entscheiden, ob es vor oder nach Beth Terry´s Buch dran wäre. ^^

      Mit „anstrengend zu essen“ meinte ich eigentlich nicht die Anstrengung für die Kiefer… die ist mir relativ egal, ich esse öfters auch mal rohe Möhren im Salat usw. Was ich meinte war, dass man entweder unelegant vom Knochen abnagen muss oder ewig daran herumschnippelt… jedenfalls die Hände intensiv beschäftigt sind, was vielleicht nur mir auffällt, weil ich gern mit einer Hand esse, während ich mit der Anderen ein Buch halte. 😀

      • Stella 3. Juli 2012 um 19:33 #

        Beim Frühstücken lese ich auch immer nebenbei 🙂

        Ihr seid hinten bei den Tipps unter „Informationen, Blogs“ aufgelistet als „Blog über plastikfreies Studentenleben“. Super cool.

        Beth Terry steht auch noch auf der Leseliste. Demnächst werde ich bestimmt eine Rezension zu „Plastikfreie Zone“ schreiben.

  2. Die Rote IRis 7. Juli 2012 um 16:36 #

    Ich fand es auch immer komisch dass sich manche Menschen so pointiert vor Fleisch ekeln.
    Inzwischen geht es mir aber auch so. (ohne das pointierte natürlich 😉 )
    Das kam irgendwie ganz von alleine.

    ps. Fleisch, vor allem sehr fettes kann nach einigen Monaten in der TK-Truhe ranzig werden.

  3. Mausflaus 8. Juli 2012 um 21:04 #

    irgendein kabarettist (ich glaub es war phillip weber) hat mal gesagt „an einem stück fleisch muss der organismus arbeiten wie eine python an einem sumoringer“ ^^

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