Ei, Ei, Ei…

30 Mrz

Es ist wieder die Zeit im Jahr. Die Zeit, zu der einfach alle, egal, was sie sonst mögen oder nicht mögen, auf hart gekochte Eier abfahren. Die Zeit, zu der man verpflichtet ist, einen solchen Berg von Eiern zu kaufen und zu kochen, dass es einer normalen Familie kaum möglich ist, ihn in einer lebensmitteltechnisch vertretbaren Zeitspanne aufzubrauchen. Genau die Zeit also, einen Blick auf ein paar grüne Tips zur Ostervorbereitung zu werfen:

Zunächst sei hier an unsere Beiträge vom letzten Jahr erinnert: meinen Bericht über vegane und glutenfreie Osterlämmchen und der fotografische Rückblick, komplett mit Tips zum Eierfärben mit Naturmaterialien.

Damit es hartgesottenen Naturfärbenden dieses Jahr nicht langweilig wird, sei allen, die sich einen zusätzlichen ästhetischen Touch auf dem Frühstückstisch wünschen, außerdem diese Seite empfohlen. Dort findet sich nicht nur eine ausführliche Liste von Naturfärbemitteln, sondern auch Anleitungen zu verschiedenen Verziertechniken, darunter die Negativtechnik, mit der sich solche schönen Muster erzeugen lassen:

 

(In diesem Fall darf ich das sogar sagen, ohne eitel zu sein, denn weder Foto noch Eier stammen von mir. Gefunden habe ich das Bild bei Wikimedia.) Leider wird für diese Technik ein Nylonstrumpf benötigt, plastikfrei ist sie also nicht zu haben. Aber vielleicht fährt ohnehin noch irgendwo ein Strumpf herum, der sich nach einem zweiten Leben sehnt?

Schwieriger wird es, Ostereier mit einem veganen Lebensentwurf in Einklang zu bringen. Für dekorative Zwecke sind natürlich Alternativen, beispielsweise aus Holz oder Filzwolle, ohne weiteres denkbar. Aus Plastik gibt es sowieso eine riesige Auswahl – von der ich selbst nicht Gebrauch machen möchte, aber eventuell ließe sich diese Möglichkeit etwas „grüner“ gestalten, wenn es irgendwo Second-Hand-Eier zu kaufen gibt.

Auch Schokoostereier gibt es in veganen Varianten, wie z.B. bei der veganothek oder der foodoase, wo jeweils auch vegane Osterhäschen zu haben sind. Problematisch für mich: Sie werden (wie quasi der gesamte Oster-Süßkram) mit im Vergleich zu ihrem Umfang enorme Mengen Verpackungsmaterial geliefert, die sich wahrscheinlich noch potenziert, wenn die Lieferung per Post kommt – irgendwie bin ich nicht optimistisch genug, zu glauben, dass Styroporpellets und Co. für diese Onlineshops schon ausgedient haben. (Mama, ich weiß, dass du diesen Blog abonniert hast. Das war jetzt also ausdrücklich eine Aufforderung, sowas NICHT zu bestellen. 😉 Zartbitterschokolade ist auch vegan, und die Tafelform gibts sogar ohne Plastikverpackung. Ob es Zartbitterhäschen im Alumantel gibt… keine Ahnung.)

Natürlicherweise lassen sich „richtige“ Ostereier aber nicht vegan beschaffen, das wäre wohl auch die Quadratur des Kreises. Für den flexitarischen Ostertisch bieten sich also folgende Möglichkeiten: Entweder weglassen und (ggf.) ersetzen, z.B. durch Gebäck in Eiform, die oben genannten Schokoostereier oder eine andere kreative Idee… vielleicht lassen sich Energiekugeln ein bisschen umformen? Wenn nicht, wäre die Aufgabe, sie direkt in Eiform herzustellen, doch direkt eine Marktlücke, die es zu füllen gilt!

Oder bewusst einkaufen, wobei uns allerdings klar sein sollte, dass es so etwas wie Eier von „glücklichen Hühnern“ nicht in Reinform gibt (siehe dazu z.B. der Bayern2-Podcast, gesendet ursprünglich am 21.4.2011, den ich vor einiger Zeit schon empfohlen habe). Selbst die glücklichste Freiland-Bio-Legehenne ist eben genau das: eine Legehenne, und damit darauf gezüchtet, ihre gesamte Energie ins Eierlegen zu stecken. Ihre Brüder sind deshalb komplett unrentabel – sie produzieren weder Eier, noch setzen sie Muskelmasse an, die als Fleisch verkauft werden kann – und werden direkt nach dem Schlüpfen „vernichtet“. Dazu bietet sich eine so breite Palette an Möglichkeiten, dass sie fast kreativ zu nennen wäre, wenn es sich nicht um einen großen Haufen Grausamkeiten handelte: Vergasen, Schreddern, alle in einen großen Behälter und so lange auffüllen, bis die Unteren vom Gewicht der Oberen zu Tode gequetscht werden…

Aber zurück zur Henne, die ja überlebt hat. Laut PETA hat sie eine ca. 17%ige Chance, ein Freilandhuhn zu werden, und ebenso „gut“ stehen ihre Aussichten, im Käfig zu landen. Zwar ist das, was man früher unter „Käfighaltung“ verstand, mittlerweile in Deutschland verboten, aber an seiner Stelle hat nun die „Kleingruppenhaltung“ Einzug gehalten. Klingt idyllisch, meint aber im Klartext: pro Tier ca. so viel Platz, wie sich auch auf einem DinA4-Blatt findet, also nicht einmal genug, um die Flügel auszustrecken. Ständiger Körperkontakt mit anderen Hennen, Drahtgeflecht als Boden unter den Füßen und durch Spezialfutter und manipulative Hell-Dunkel-Phasen ständig auf Leistung, Leistung, Leistung getrimmt.

Okay, okay, bleiben immer noch die beiden anderen Haltungsformen – die bereits erwähnte Freilandhaltung und, wenn es nicht ganz so luxuriös sein darf, die mit 66% am weitesten verbreitete Form, die Bodenhaltung. Die allerdings bedeutet letzten Endes nur wenig mehr Platz für jedes einzelne Tier – gerade so viel, dass sie Gelegenheit haben, ihren Stresshaushalt auf äußerst ungesunde Art und Weise zu verwalten. Hühner sind eigentlich dazu geschaffen (oder, je nach religiösem Skeptizismus, meinetwegen dazu evolviert), im Boden zu scharren, zu picken und herumzurennen (naja, -laufen). Wo sie das, wie in der Bodenhaltung, nicht können, suchen sie sich andere Ventile für ihre Energie, und picken oft so lange auf einander herum, bis das schwächste Huhn zu Boden geht und nicht mehr aufsteht.

Fazit? Wenn es Eier sein sollen, dann doch bitte von Hühnern, die wirklich Gelegenheit hatten, sich nach Lust und Laune zu bewegen. Dass das der Fall war, lässt sich aber beim Supermarktei praktisch unmöglich gewährleisten – also ab zum nächsten Hof und nachgefragt, ob wir uns die Haltungsbedingungen mal live ansehen dürfen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: