Ein Sonntagsprojekt: Seife sieden

5 Feb

In einem früheren Beitrag habe ich bereits berichtet, dass ich meine Haare hauptsächlich mit selbstgemachter Shampooseife wasche – eine Tatsache, die sich etwas gewandelt hat, seit ich von Stephie ein LUSH-Paket zu Weihnachten bekommen habe, grundsätzlich aber immer noch stimmt. Von meiner selbst „erfundenen“ Phantomseife (ein kleiner Tribut an meine Obsession für Andrew-Lloyd-Webber-Musicals und eigentlich nur eine abgewandelte Version eines übernommenen Rezeptes) habe ich beim letzten Mal so viel hergestellt, dass Bedarf an neuem Shampoo erst mal nicht in Sicht ist, aber da ich noch immer das Problem nicht gelöst habe, wie ich plastikfrei meinen Abwasch mache, habe ich mich nun einmal an einer „Haushaltsseife“ versucht.

Im Grunde bedeutet das nicht viel mehr, als dass ich keine ausgefallenen Fette verwendet habe, sondern lediglich das, was noch da war (Palmfett von vor mindestens vier Jahren 😉 und Olivenöl), und dass ich den Anteil an Natronlauge, den ich hinzugefügt habe, so dosiert habe, dass die Seife wenig rückfettend sein sollte. Denn eine sanfte Ölschicht auf der Haut mag zwar erwünscht sein, auf Töpfen und Tellern macht sie sich eher nicht so gut.

Um es gleich vorab zu sagen: Diese Seife ist ganz und gar nicht „plastikfrei“, noch nicht einmal wirklich „plastikarm“. Aber theoretisch bietet das Seifensieden die Möglichkeit, jede Menge Plastikmüll einzusparen, was für mich Grund genug ist, die Grundlagen der Technik hier kurz zu erklären. Denn im Grunde ist es sogar recht einfach, dieses Stück Chemieunterricht zuhause nachzustellen, wenn man ein paar grundlegende Vorsichtsmaßnahmen beherzigt.

Dazu gehört vor allem, die Arbeitsfläche GRÜNDLICH abzudecken (vor einigen Jahren habe ich die Küche meiner Mutter mit ein paar unschönen Ätzflecken verziert, weil ich vergessen hatte, Zeitung unterzulegen) und selbst möglichst mit Handschuhen, Schutzbrille und Mundschutz ausgerüstet zu sein, während mit der Lauge hantiert wird. Dass keine Kinder oder Tiere in der Nähe sein sollten, die vielleicht etwas umstoßen könnten, versteht sich von selbst, ebenso wie die Tatsache, dass Lebensmittel besser aus dem Arbeitsbereich entfernt werden.

Noch ein paar Worte zur Schutzausrüstung: Mir persönlich kamen vor allem Schutzbrille und Mundschutz immer etwas übertrieben vor. Dass ich an den Augen bisher keine Beeinträchtigung wahrgenommen habe, mag aber daran liegen, dass ich ohnehin Brillenträgerin und damit rudimentär gegen den Ätzstaub geschützt bin. Vielleicht hatte ich auch nur bei den unvorsichtigen brillenlosen Versuchen unverschämtes Glück. Ich rate jedenfalls niemandem, mit seinem Augenlicht zu spielen, Ätznatron ist EXTREM aggressiv.
Was den Mundschutz angeht: auch den hatte ich dieses Mal nicht und ich habe es definitiv BEREUT. Im Seifenrezept heißt es, man solle die von der Lauge aufsteigenden Dämpfe nicht einatmen (und ich nehme an, das selbe gilt für den Staub, der nach dem Abmessen der trockenen Lauge in der Luft liegt), und DAS IST ERNST GEMEINT. Meine Lunge fing irgendwann trotz offenem Fenster an zu brennen, sodass ich immer wieder eine Pause einlegen und an die frische Luft hechten musste. Beim nächsten Mal werden definitiv die Atemwege besser geschützt.

Nachdem ich jetzt schon mit Anspielungen auf die verschiedenen Zutaten um mich werfe, geht mir langsam auf, dass vielleicht nicht alle, die diesen Betrag lesen, wissen, wie das Seifensieden überhaupt funktioniert. Ich werde also versuchen, den Prozess noch einmal kurz und knapp zu beschreiben: Im Grunde braucht es für eine Seife nur zwei Zutaten, Fett und Lauge. Als Fett kann alles mögliche verwendet werden – Öle, feste Fette, sogar Schmalz, Talg und anderer „tierischer“ Kram. Je nach dem, was für eine Seife angestrebt wird, kann es Sinn machen, bestimmte Fette zu verwenden: einige machen die Seife eher fest, andere weich, manche sind rückfettend, andere hinterlassen besonders wenig Spuren, etc. Da ich, wie gesagt, kein besonderes Luxusprodukt wollte, habe ich mit ein paar Basisfetten gearbeitet, aber wer sich gerne in die Eigenschaften der verschiedenen Fette einlesen will, kann das hier tun. Die Seite ist überhaupt sehr informativ und ich werde mich noch oft darauf beziehen. Außerdem gibt es dort wesentlich schönere Seifen zu bewundern, als ich sie so zustande bringe!

Die zweite Zutat, die Lauge, ist problematischer, sowohl in der Beschaffung als auch in der Verarbeitung. NaOH kann, wie gesagt, die ungeschützte Haut ziemlich übel verätzen, und ist dementsprechend natürlich nicht im Drogeriemarkt erhältlich. Ich habe mein Ätznatron (ein anderer Name für diesen Seifen-Grundstoff) übers Internet bestellt, und das Kilo, das ich damals genommen habe, ist noch immer nicht einmal annähernd aufgebraucht. Auf ein kg Fett braucht man etwa 100-150 g Lauge, und größere Mengen koche ich meistens nicht. Trotzdem werde ich, wenn mein Vorrat aufgebraucht ist, einmal die andere Bezugsquelle austesten: die Apotheke. Vielleicht bekomme ich dort ja Ätznatron in der Glasflasche anstatt im Plastikbehälter. Einmal beschafft und abgewogen wird das Ätznatron zusammen mit Wasser zu einer Lauge angerührt. Dazu sind zwei Dinge zu beachten: Das Wasser sollte möglichst kalkfrei sein, das heißt, in vielen Gegenden bietet es sich an, destilliertes Wasser zu nehmen. In meiner alten Heimat beispielsweise konnte man keinen Tee kochen, ohne Kalkflocken in der Tasse zu finden… oder so ähnlich jedenfalls. Solches Wasser sollte man zum Seifensieden NICHT verwenden. Hier in Freiburg geht es ganz gut: Kalk ist hier kaum ein Problem, sodass ich auch mit ganz normalem Leitungswasser arbeiten kann. Die zweite wichtige Sache ist, dass immer das NaOH ins Wasser gegeben wird und NICHT anders herum. Der Grund: sobald sich beides verbindet, kommt es zu einer starken Hitzeentwicklung. Wenn nun vergleichsweise wenig NaOH auf vergleichsweise viel (vorzugsweise kaltes) Wasser trifft, ist das nicht so ein Problem, vorausgesetzt, der Behälter, in dem das geschieht, ist hitzebeständig (Temperaturen können schon mal gegen die 70-80 Grad gehen, bei höheren Außentemperaturen, weniger oder wärmerem Wasser, etc. eventuell sogar noch höher). Kommt aber nur ganz wenig Wasser in die Lauge, verläuft die Reaktion viel konzentrierter, und dabei kann es, habe ich mir sagen lassen, schon mal zu explosionsartigen Ausbrüchen kommen.

Soviel also zu den Grundlagen. Was braucht es nun zum Seifensieden?

1 großen Topf, um die Seife darin anzurühren – vorzugsweise aus Edelstahl. Ich nehme dazu den, den ich auch zum normalen Kochen verwende, aber noch schöner wäre es natürlich, das Geschirr getrennt halten zu können. Da allerdings der Stahl sich wieder komplett sauber abwaschen lässt, sehe ich bisher kein großes Problem. Ach ja – wenn ich sage „vorzugsweise“ dann bedeutet das eigentlich „unbedingt“… es seidenn, jemand hat einen Glastopf zuhause. Aluminium jedenfalls verträgt sich nicht mit der Lauge und darf nicht verwendet werden! Emaillierte Behälter sollen in Ordnung sein, Plastik ebenfalls, aber zweiteres kommt ja als Kochtopf kaum in Frage… und mir nicht mit einem so aggressiven Stoff wie NaOH in Berührung! Man muss das Rauslösen unerwünschter Chemikalien ja nicht noch beschleunigen.

Behältnis, um darin die Lauge anzurühren – ich nehme am liebsten ein großes Glas.

Umrühr-Utensilien aus Plastik, Edelstahl oder Holz.

1 Thermometer, mit dem Temparaturen bis 100 Grad erfasst werden können. Ich habe dafür ein Bratenthermometer. Das sagt mir dann zwar gleichzeitig noch, ob mein „Rinderbraten“ gerade gar, rosa oder eher noch roh ist… aber es erfüllt zwei wichtige Kriterien: Es kommt mit hohen Temparaturen klar und es besteht aus Edelstahl, wird also von der Masse nicht angegriffen.

Küchen- oder Briefwaage – Küchenwaagen sollten eine grammgenaue Anzeige haben. Beim Abwiegen des Fettes mag die Menge nicht ganz so wichtig sein, aber ein paar Gramm Lauge hin oder her können einen großen Unterschied machen!

Schutzausrüstung (siehe oben).

Seifenformen. Die gibt es zwar auch unter diesem Namen zu kaufen, lassen sich aber relativ leicht aus allem möglichen improvisieren. Ich benutze immer noch gesammelte Plastikbecherchen und Behälter aus den Zeiten, als ich mit einer äußerst pudding- und frischkäsehungrigen Familie zusammengewohnt habe. Eine Silikon-Backform hat sich auch schon mal bewährt, und wenn ich daran gedacht hätte, hätte ich diesmal meine Silikon-Muffinförmchen ausprobiert. Holz soll ebenfalls gehen, allerdings vermute ich, dass es mit Plastik ausgeschlagen werden muss. Einen Versuch wäre wert, was passiert, wenn man z.B. Glas benutzt. Was die Größe und Form angeht: Es gibt wunderschöne Bilder von in Einzelförmchen gegossenen Seifen. Meine Erfahrung allerdings sagt, dass ich meistens mit den Stücken am zufriedensten war, die aus einem möglichst großen Block herausgeschnitten wurden.

Isoliermaterial  für die noch warme Seife – am besten alte Handtücher oder etwas in der Art.

Nun aber zum eigentlichen Siedeprozess:

  1. Zuerst werden die fettigen Seifenbestandteile abgewogen und geschmolzen. Sollte man kein fertiges Rezept verwenden, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, herauszufinden, wie viel Ätznatron und Wasser gebraucht werden: am besten mit dem Seifenrechner auf dieser Seite. Einfach die jeweilige Menge der einzelnen verwendeten Fette angeben und ausrechnen lassen. Die beigefügte Tabelle gibt außerdem an, wie stark „überfettet“ die Seife bei welcher Menge wird – wie gesagt, ich habe mich an die höchsten angegebenen NaOH-Werte gehalten, weil ich keine rückfettende Seife wollte. Sobald alles flüssig ist, darf das Fett wieder etwas abkühlen, bis es ca. 40-50 Grad warm ist.

2. Als nächstes wird die Lauge abgewogen. Hier bitte alle oben genannten Vorsichtsmaßnahmen beachten! Mit dem Wasser vermischen (und NICHT anders herum…), verrühren und ebenfalls abkühlen lassen, bis die Mischung ca. 50 Grad warm ist.

3. Fett und Lauge vermischen. Dabei die Lauge ggf. durch ein PLASTIKsieb (oder eines aus Edelstahl, ich schätze, dass müsste genauso gehen – wenn nur sicher ist, dass es NICHT aus Aluminium besteht) geben, damit eventuell nicht aufgelöste Bröckchen nicht in die Seifenmasse gelangen – da können sie konzentriert erhalten bleiben und dann zu einer ziemlich ätzenden Überraschung bei der Verwendung der Seife führen. Die Mischung so lange rühren (evtl. kann das auch mit dem Pürierstab geschehen, wenn es sonst zu lange dauert. Aber auch hier wieder: Keine Alubestandteile!), bis sie eine „puddingartige“ Konsistenz hat und sich auf der Oberfläche Spuren bilden, wenn etwas von der Masse vom Löffel zurück in den Topf tropft.

4. Dann bleibt nur noch, die Masse in Förmchen abzufüllen und zu warten. Die Förmchen sollen laut meiner Anleitung eingefettet wrden, ein Punkt, den ich frech umgangen habe. Die Masse ließ sich nach dem Festwerden trotzdem herauslösen, aber bei kleineren Förmchen sollte das evtl. beachtet werden. Dann gilt es die Masse noch eine Weile warm zu halten: eine der Möglichkeiten besteht darin, sie im Backofen unterzubringen, aber mit dieser Methode war ich nicht so ganz glücklich, nachdem ich sie jetzt einmal ausprobiert habe. Lieber ist mir die andere Variante: Abdecken (ich muss noch eine Alternative finden zu Frischhaltefolie!) und in alte Handtücher gewickelt in einen Karton packen. So mindestens 24h festwerden lassen, danach darf die Seife aus den Förmchen genommen (vorsicht, falls sich etwas von der Lauge abgesetzt haben sollte und einem als Flüssigkeit entgegenkommt!) und eventuell zerteilt werden, bevor sie so fest wird, dass das nicht mehr geht.

Das Endprodukt muss jetzt noch ca. 4 Wochen reifen, bevor es wirklich als Seife durchgeht, denn während dieser Zeit müssen sich immer noch einzelne Bestandteile miteinander „verseifen“. Das heißt, bis dahin kann ein Versuch, sich damit zu waschen, sehr schmerzhaft und/oder fett-schleimig ausgehen.

Was ich hier beschrieben habe, ist wirklich nur die Spitze des Eisbergs, die grundlegendste aller Basic-Versionen. Seife kann man in den tollsten Varianten herstellen, mit Farben, Düften, Peelingzutaten, Milch, Honig, Schokolade, … Und nicht wenige Sonderzutaten brauchen auch etwas besondere Aufmerksamkeit. Wer also Lust hat, sich selbst am Seifenmachen zu probieren, sei dazu ermuntert – aber vorher dazu angehalten, sich ausführlicher in das Thema einzulesen. Ein guter Ausgangspunkt dazu ist, wie gesagt, www.naturseife.com.

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3 Antworten to “Ein Sonntagsprojekt: Seife sieden”

  1. Nini 5. Februar 2012 um 11:56 #

    Ach, wie schön, das würde ich jetzt auch gerne machen. Leider sitze ich über dem Hefter und Lerne für die Prüfung. Naja, ich habe vom letzten Mal auch noch so viel, das jetzt erstmal aufgebraucht werden musst. Man muss ja auch gleich immer ne große Menge mache, dass sich der Aufwand lohnt. Dann hat man gleich zig Stücke der gleichen Sorte. Aber vielleicht kann man ja gegebenenfalls mal einen Seifentausch-Ring mit den „Plastikvermeidern“ machen, dann hat man wenigsten viele verschiedene. Darf ich dich noch fragen, wie man genau Einfluss auf die Rückfettung nimmt? Mehr Lauge nehmen? Andere Öle?
    Welches Rezept hast du für die Haarseife genommen? Diese Rezepte sehen mir nämlich immer noch zu kompliziert aus. Ich habe auch erstmal nur welche mit Basicölen gemacht.

    Liebe Grüße

    Nini

    • repek 5. Februar 2012 um 22:17 #

      Das Rückfetten beeinflusst man über die Lauge, genau – der Seifenrechner, den ich erwähnt habe, gibt mehrere Werte an und jeweils den Überfettungsanteil dazu. Je mehr Lauge, desto weniger wird rückgefettet, logischerweise.
      Ich glaube, dass ich das Seifenrezept, das ich habe, leider nicht vervielfältigen darf, aber hiergibt es eines, das so ähnlich ist:
      http://www.ruehrkueche.de/viewtopic.php?f=13&t=6479
      Ich modifiziere das Rezept meistens, sodass ich die seltenen Öle, die in kleineren Mengen vorkommen (Traubenkernöl, in meinem Rezept auch noch Mandelöl) einsparen kann und mir nicht so viele verschiedene Fettarten zulegen muss. Dazu ersetze ich die Mengen einfach durch andere Öle, die eine ähnliche Verseifungszahl haben… aber natürlich hat es einen Grund, warum versiertere Seifenhexen als ich diese Sonderöle dem Rezept hinzugefügt haben. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt sie also wahrscheinlich besser drin.

  2. Jasmin 14. Februar 2012 um 16:59 #

    Uh danke für den tollen Beitrag. Ich hab jetzt richtig lust aufs Seifensieden bekommen:)

    Ich habe mal nach einer Alternative zu den Blastikbecher etc. gesucht und das hier gefunden: http://seifenballade.de/Seifenformen.html
    ziemlich teuer (man könnte versuche die selbst machen) aber dafür mehrfach verwendbar.

    Mir stellt sich vor allem die Frage ob nicht durch das Ätznatron, das Plastik auf irgendeine Weise porös gemacht wird und somit Weichmacher in die Seife gelangen….hat da jemand eine Ahnung?

    Lg

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