Löcher in den Bauch – die Kunst des Fragenstellens

14 Jan

Kann ich mein Brot in eine mitgebrachte Tüte verpacken lassen?

Was verbirgt sich hinter dieser Vorspeise?

Gibt es diesen Cocktail auch ohne Strohhalm?

Muss Trockenhefe WIRKLICH immer in Minitütchen verpackt sein?

Wenn ich eines gelernt habe,  seit ich meine diversen grünen Projekte begonnen, vernachlässigt, wiederaufgegriffen und auf mich angepasst habe, dann das: Das Einmaleins des Andersmachens ist das Fragen. Nein, ich schreibe hier nicht „des Bessermachens“ – das ist zwar meine Intention, aber letzten Endes kann ich nicht beurteilen, ob es wirklich irgendjemandem nützt, dass ich versuche, meinen Plastikmüll auf ein absolutes Minimum zu drücken und kaum noch tierische Produkte zu konsumieren.

Trotz dieser Erkenntnis muss ich gestehen:  das Fragenstellen fällt mir oft sehr schwer. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich ein sozialer Freak bin und es mir überhaupt schwerfällt, mit meiner Umgebung direkt zu kommunizieren – also nicht „Sag mal, Ecosia, gibt es denn …?“ sondern „Entschuldigen Sie bitte, ich würde da gerne etwas anders machen als man das „normal“ so macht – geht das denn?“

Geht das nur mir so? Oder kämpfen andere „Nonkonformisten“ genauso mit diesem Problem? Wenn ja, dann könnte es uns vielleicht helfen, uns ein paar Dinge immer wieder ins Gedächtnis zu rufen:

  1. Nicht jeder mag erfreut reagieren, wenn etwas anders als nach Schema F ablaufen soll, aber in der Regel kommst du zu Leuten, denen du solche Fragen stellst, als Kundin, die bares Geld im Laden lässt. Du darfst also ruhig auch ein bisschen geistige Flexibilität und Entgegenkommen erwarten.
  2. Auch wenn es sich manchmal seltsam anfühlt, ungewohnte Wege zu beschreiten, heißt das nicht, dass jeder dich dafür NUR schief ankuckt. Manchmal gibt es tatsächlich Leute, die sich freuen, dass sich jemand Gedanken macht. Oder es zumindest irgendwie positiv überraschend finden.
  3. Frag lieber zu genau nach, als das Risiko einzugehen, dass doch irgendetwas unter den Tisch fällt. Case in point: „Sie haben da auf Ihrer Karte einen Gemüse-Vorspeisenteller stehen. Was ist da denn alles drauf?“ – „Das sind verschiedene Gemüse, Brokkoli und so, manche gekocht und manche roh.“ – „Gut… den nehme ich.“ Einige Minuten später kommt der Teller dann am Tisch an, und was ist drauf? Jede Menge Gemüse, natürlich, aber ungefähr 50% des Gerichts bestehen aus Käse und Ei.Besser wäre also vielleicht gewesen, gleich zu fragen, ob die Zusammenstellung Käse, Ei oder sonstige Tierprodukte enthält.
  4. Wenn es darum geht, irgendetwas NICHT zu bekommen, das normalerweise zum „Lieferumfang“ dazu gehört, kann es ganz praktisch sein, das eigene Alternativutensil in der Hand zu haben und zu zeigen. Bei meinen Broteinkäufen jedenfalls hat das immer sehr gut geklappt – ob es allerdings bei meinem Versuch, einen Cocktail ohne Strohhalm zu bestellen, gewirkt hätte, weiß ich nicht. Der junge Mann, der meine Bestellung aufgenommen hat, schien nämlich durchaus zu verstehen, was ich wollte, auch ohne visuelle Unterstützung. Nur leider lief bei seiner Kommunikation mit der Kollegin, die den Cocktail dann fertiggestellt hat, etwas schief, und die wunderte sich nur, warum er extra noch einen Strohhalm dazu bestellte. Was kann man da machen? Ich weiß es nicht. Den Edelstahltrinkhalm in die Hand drücken und sagen: „Würden Sie mir bitte den anstatt eines normalen Trinkhalms reintun?“? Oder ihn in der Hand behalten, damit man seinen Frust wenigstens an irgendwas auslassen kann? 😉

Wie geht ihr damit um, wenn ihr euch mal wieder als Öko „outen“ solltet? Fällt euch das leicht? Oder gibt es da auch eine gewisse Hemmschwelle? Habt ihr irgendwelche Strategien entwickelt, um zu bekommen, was ihr wollt? Oder passiert es euch auch viel zu oft, dass ihr schon im Vorhinein resigniert und einfach gar nicht nachfragt?

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Eine Antwort to “Löcher in den Bauch – die Kunst des Fragenstellens”

  1. Jane 19. Januar 2012 um 23:03 #

    Ja, es gibt ne Hemmschwelle. Aber es ist je nach Laune unterschiedlich. Einmal hab ich gesagt, ich wäre laktoseintolerant und ein anderes Mal in einer Bäckerei hab ich auf die Frage ob ich laktoseintolerant sei, ganz cool geantwortet, nö, es wäre meine eigene Entscheidung. Letztlich bewegt man nur was, wenn man offen ist und fragt, nachhakt, dann ändert man damit die Nachfrage ein klein wenig. Zum Beispiel bin ich sehr stolz berichten zu können, dass wegen meinereiner in unserer Kantine nächste Woche am Mittwoch ein veganes Gericht, das auch als solches ausgeschrieben ist (es gibt ja auch normal vegane Gerichte), auf dem Plan steht. 😀 Yeah!

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