Veganes Silvester: viererlei Hogwarts-inspirierte Aufstriche, Vielsafttrank, Felix Felicis und Cockroach Clusters

3 Jan

Irgendwo in der Nähe des Hufflepuff-Gemeinschaftsraums, hinter einem auffällig unauffälligen Stillleben samt äußerst kitzeliger Birne, findet sich ein Wunderland für vegane Köchinnen!

Silvester läuft bei mir normalerweise ganz  ähnlich ab wie bei den meisten Leuten, die ich kenne: viel zu essen, normalerweise Snacks und Raclette oder Fondue (auf alle Fälle etwas reichlich Lactoselastiges) und natürlich das unvermeidliche Korkenknallen und Raketenabschießen um Mitternacht. Ich will nicht sagen, dass manche dieser Rituale nicht ihren Platz in meinem Herzen haben (obwohl ich definitiv einen Weg finden muss, all den Käse zu vermeiden), aber für dieses Jahr hatten Stephie und ich andere Pläne. Schließlich war 2011 das Jahr, in dem der Harry-Potter-Merchandise-Hype seinen Höhepunkt definitiv und endgültig mit dem Erscheinen des allerletzten Films überschritten hat und wir uns nicht mehr ausmalen konnten, dass manche der Grausamkeiten, die man unserer Kindheit auf der Kinoleinwand angetan hat, durch freundlichere Verfilmung der weiteren Bücher wiedergutgemacht werden könnte. (An dieser Stelle muss ich fairer Weise hinzufügen: Obwohl ich nach wie vor den Trend, Bestseller-Verfilmungen in zwei Teile zu packen, um doppelt so viel Kohle einstreichen zu können, auf eine Art äußerst perfide finde, muss ich zugeben, dass es dem Abschluss der Potter-Saga gutgetan hat, etwas mehr Platz zum Atmen zu haben.)

Aber genug gelabert, immerhin ist dieser Blog nicht dazu da, meine Seelenergüsse über meine liebste Kindheits-Bücherserie aufzunehmen, sondern eigentlich dazu, darüber zu berichten, wie wir (unter anderem) mit der veganen Ernährung vorankommen. Also nur noch so viel: Wir hatten uns für diesen Jahreswechsel vorgenommen, zur Feier des Potter-Abschieds noch einmal alle Filme anzuschauen und kritisch zu würdigen (ein Anspruch, den wir im Umfang fast, im Feedback, fürchte ich, kaum gerecht wurden), und dazu musste natürlich Verpflegung her.

Nun scheint das am häufigsten kopierte Gericht aus Harrys Welt Butterbier zu sein, das, wie sein Name bereits sagt, selten ohne tierische Inhaltsstoffe auskommt. Und obwohl es wunderbare (und wahrscheinlich auch vegan machbare) Rezepte für Nasblut-Nougat, Kürbispasteten und andere süße Potter-Schleckereien gibt, konnte ich mich nach den traditionell zuckerlastigen Weihnachtsfeiertagen nicht überwinden, schon wieder hauptsächlich auf so etwas zurückzugreifen.

Wir waren uns schon länger einig, dass es als Hauptnahrungsmittel Vielsafttrank (Gemüsesuppe) geben würde, und auch, dass wir um Mitternacht mit Felix Felicis (Sekt, angereichert mit Apfel-Ingwer-Sirup) anstoßen würden, war uns klar – Bilder dazu später. Aber ich wollte noch etwas beisteuern, das ich bereits mitbringen konnte, und das stürzte mich aus den genannten Gründen in einige Verlegenheit. Bis ich die rettende Idee hatte: Wir würden als Snack einige unter großen persönlichen Opfern geerntete Zweige der Peitschenden Weide (extraknorrig geformtes Vollkornbrot) verzehren, zusammen mit verschiedenen veganen Aufstrichen, die in den Farben der vier Häuser glänzen sollten!

Whomping Willow Bread

Gedacht, getan, ich habe mich in die Küche begeben, und innerhalb eines Nachmittags folgende, auch für Potter-Banausen sicherlich schmackhafte, Kreationen entworfen:

(Da ich in den meisten Fällen einfach rumprobiert habe und kein Rezept als Vorlage hatte, sind alle Mengenangaben geschätzt und als ungefährer Richtwert zu verstehen.)

Gryffindor

½ Tasse rote Linsen, eingeweicht und gekocht
½ Tasse frische Tomaten, Tomatenpüree oder Tomatensauce
etwas Tomatenmark
1 kleine Zwiebel
Salz, Pfeffer, andere Gewürze nach Geschmack

Ich selbst habe für den tomatigen Teil, außer Tomatenmark, noch von der Tomatensauce verwendet, die wir an dem Tag zum Mittagessen hatten, was zur Folge hatte, dass auch noch etwas anderes Gemüse (Zucchini, Paprika) mit hineingerutscht ist. Meiner Ansicht nach hat es dem Aufstrich nicht geschadet, könnte aber auch weggelassen werden. Wahrscheinlich würde ich beim nächsten Mal noch ein paar Leinsamen hinzufügen.
Die Zutaten werden einfach alle zusammen in ein geeignetes Gefäß gegeben und mit dem Pürierstab zerkleinert und vermischt, nachdem die Zwiebel zuvor gewürfelt und angedünstet wurde.

Hufflepuff

¾ Tasse Kichererbsen, eingeweicht und gekocht
Saft einer halben Zitrone
etwas Pflanzenöl
2 TL Senf (mittelscharf)
2 TL Meerrettich-Senf (oder nur etwas Meerrettich, dann entsprechend mehr vom anderen Senf)
Salz, Pfeffer, Bockshornklee

Kichererbsen zusammen mit Zitronensaft und Öl pürieren. Dabei kann es vorkommen, dass die Mischung zuerst zu flüssig wirkt, das sollte sich aber geben, wenn die Kichererbsen komplett zerkleinert sind. Senf und Meerrettich einrühren, mit Gewürzen abschmecken.

Slytherin

ca. 180g Tofu
½ Bund frische Petersilie
ca. die selbe Menge frischer Basilikum (evtl. etwas weniger)
Salz

Tofu und Kräuter werden zunächst grob zerkleinert, dann zusammen püriert. Ich kann mich gerade nicht entsinnen, ob ich noch zusätzliche Flüssigkeit hinzugefügt habe – sollte die Konsistenz das erfordern, einfach noch einen Schuss Wasser oder Öl zur Hilfe nehmen.

 

Ravenclaw

1 Würfel Frischhefe
1 große Zwiebel
80 g Mehl
1-2 Teelöffel Margarine oder pflanzliches Bratfett
Gemüsebrühe nach Gefühl
Kräuter und Gewürze nach Geschmack (ich  hatte Salz, Ingwer, Piment, etwas Zimt, Pfeffer, Thymian und etwas Rosmarin)
1-2 erbsengroße Stücke Tomatenmark
blaue Lebensmittelfarbe


Dieses Haus war am schwierigsten darzustellen – was gibt es schon für blaue Lebensmittel? Blaubeeren? Blaukraut? Ich wollte salzige Aufstriche, also kam ersteres schonmal nicht in Frage, und zweiteres war gerade nicht zur Hand, ganz davon abgesehen, dass ich es mir schwer als Brotaufstrich vorstellen kann. Durch den gekauften Hefe-Aufstrich, den mir meine Mutter ein paar Tage zuvor mitgebracht hatte, hatte ich dann schließlich die Idee, etwas Ähnliches zu versuchen und blau einzufärben. Das Rezept, das ich im Internet ausfindig gemacht  habe, behauptet, Leberwurst ersetzen zu können – eine Behauptung, die Kommentatoren in verschiedenen Foren wieder bestritten haben, die ich aber bestätigt fand, nachdem die Mischung eine Nacht im Kühlschrank gereift war – der Geschmack war wirklich frappierend ähnlich zu der Zwiebelwurst, die ich vor einigen Jahren mit Begeisterung gegessen habe.
Die Zwiebel wird zuerst gewürfelt und angedünstet, dann wird die Hefe in warmer Gemüsebrühe aufgelöst und eventuell schon ein paar Gewürze hinzugefügt. Als nächstes kommen Mehl, Zwiebeln und Fett hinzu und das Ganze wird auf dem Herd einmal aufgekocht. Das ist wichtig! Ich habe die Mischung zuerst nicht erhitzt, trotz Brotbackerfahrung vergessen, was Hefe macht, wenn sie im Warmen steht, und mich dann gewundert, dass mein Aufstrich immer mehr wird und zunehmend säuerlich-alkoholisch schmeckt. Die Hitze tötet die Hefe dagegen ab und gibt dem Ganzen eine kompaktere Konsistenz.
Entweder kurz vor dem Aufkochen oder direkt danach, bevor der Aufstrich zu fest wird, kommt dann noch die Lebensmittelfarbe hinzu, wobei ich die Erfahrung gemacht habe,  dass sehr viel nötig ist, um die Mischung wirklich blau zu färben… wenn man die Farbe, die ich erzielt habe, wirklich so nennen kann. Sie wurde nämlich wiederholt für grün gehalten. 😉

Aus dem Labor des Zaubertrankmeisters

Polyjuice Potion

Felix Felicis

Ganz zum Schluss wurde ich dann doch noch schwach und wollte etwas Süßes, sodass wir beim Einkaufen spontan beschlossen haben, ein Rezept für „getrocknete Kakerlaken“ (Cockroach Clusters) auszuprobieren:

Cockroach Clusters

1 Tüte Kartoffel-Knabberstäbchen
200g Zartbitter-Kuvertüre (von Natur aus eigentlich vegan, aber ruhig noch mal nachlesen)

Ich habe keine Ahnung, wie diese Knabberdinger wirklich heißen – ich meine etwas wie Chips, aber in Stäbchenform. Die Tüte, die wir hatten, war ziemlich klein (viel kleiner als eine Chipstüte), aber von der Menge her genau richtig für die 200g Schokolade. Diese wird einfach geschmolzen (entweder in der Mikrowelle oder im Wasserbad) und dann über die leicht zerkleinerten Stäbchen gegossen. Schön vermischen, mit Löffelchen oder Gabeln Häufchen formen, auf ein Blech geben und festwerden lassen (das Winterwetter wirkt Wunder dafür).

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2 Antworten to “Veganes Silvester: viererlei Hogwarts-inspirierte Aufstriche, Vielsafttrank, Felix Felicis und Cockroach Clusters”

  1. Mausflaus 3. Januar 2012 um 17:33 #

    das knorrige brot sieht toll aus! ich liebe ja auch das wurzelbrot ausm rewe zum aufbacken bzw. es gibts auch fertig bei der glockenbäckerei. kommt an selbstgemachtes brot natürlich nicht ran, aber trotzdem sehr lecker.
    an blauen lebensmitteln fällt mir nur blue curacao ein… aber da weiß ich noch nicht mal ob er vegan ist.

    frohes neues (veganes) jahr!

  2. 123vegan 9. Januar 2012 um 13:46 #

    Sehr kreativ! 🙂 Danke für die inspirierenden Bilder! 😀

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