Igitt – Wie viel Plastik spülen wir mit jedem Waschgang ins Meer?

8 Nov

Über Mittel und Wege, Plastikverpackungen zu umgehen, die später den Weg ins die Mülltonne oder (im besten Fall) in den Gelben Sack gefunden hätten, habe ich in diesem Blog schon oft geschrieben. Auch den „Great Pacific Garbage Patch“ habe ich vielleicht schon mal erwähnt, diese schwimmende Mülldeponie mit der Größe von Texas, die mitten im Pazifik rotiert. Und möglicherweise habe ich sogar geschrieben, dass an Land produzierter Müll damit mehr zu tun haben könnte, als wir geneigt sind, zu glauben, weil schließlich vieles von dem, was einfach auf die Straße geworfen wird, irgendwann in einem Fluss landet – und von da aus, wenns dumm läuft, ins Meer geschwemmt wird.

Was ich aber eher noch nicht bedacht habe, ist das Problem von mikroskopisch kleinen Plastikpartikeln, die sich im Wasser anhäufen und wie Plankton darin herumschwimmen, um dann natürlich auch wie Plankton von Fischen und anderen Meerestieren gefressen werden. Dass diese Gefahr existiert, wusste ich zwar schon länger. Und auch solche Grausamkeiten wie Tiere, die versucht haben, sich von diesem Müll zu ernähren, und daraufhin verhungert sind, sind mir schon mal irgendwann auf einem Streifzug durchs Internet untergekommen. Aber zwei Dinge waren mir bisher kaum klar:

– Vielleicht genauso gefährlich wie die Tatsache, dass diese Minipartikel von Tieren mit Nahrung verwechselt werden, aber nicht wirklich verdaut werden können, ist ihre Fähigkeit, auf diesem Weg in die Nahrungskette zu gelangen und sich als Gift in ihr anzureichern. Das gilt einerseits natürlich für das Plastik selbst, das ja aus allen möglichen unerwünschten Substanzen bestehen kann. Andererseits, und das war mir neu, sammeln sich auf der Oberfläche von Plastikpartikeln auch Ölreste und andere Chemikalien an, die dann natürlich von den entsprechenden Meerestieren mit gefressen werden. Und, wenn es sich um Gifte handelt, die deren Körper nicht abbaut oder ausscheidet, sich auch auf das nächstgrößere Tier „übertragen“, das sie frisst, bis irgendwann eines dran ist, das auch als menschliche Nahrung dient (noch ein Grund, Vegetarier zu werden. Bäh.). Und kleine Partikelchen sind in dieser Hinsicht noch „aktiver“ als große Stücke – man erinnere sich an den Biounterricht, als es um die Evolution der Arten ging. Warum noch mal leben kleine Pinguine da, wos warm ist, und Königspinguine in der größten Kälte? Ach ja – je kleiner das Tier, desto größer im Verhältnis zur Körpermasse die Oberfläche des Körpers (und damit der Wärmeverlust). Das gilt natürlich auch für Plastikstücke. Oder, wie es der Artikel, den ich eben gelesen habe (Link am Ende des Eintrags), so schön formuliert: Wenn man eine Flasche voller Murmeln füllt, ist die Oberfläche der Murmeln insgesamt größer als die der Flasche. Und je mehr Oberfläche, desto mehr Platz für leckere Giftstoffe aller Art, sich daran anzulagern. Jetzt noch ein Begriff aus dem Schulunterricht: Plastik ist lipophil. Das heißt es zieht Fette an. Und woraus besteht noch mal das ganze Öl, das beispielsweise aus dem Leck des BP-Bohrlochs an der Bohrinsel Deepwater Horizon (wenn ich mich an den Namen richtig erinnere) geflossen ist? Ach ja.

– Mikroplastik-Partikel entstehen zwar durch die Zerkleinerung größeren Plastikmülls, der sich mit der Zeit in seine Einzelteile auflöst. Und auch die Plastikkügelchen aus Peelings und Putzmitteln sind unter den Teilchen, die sich übrigens kaum bis gar nicht mehr aus dem Abwasser herausfiltern lassen. Aber den größten Anteil tragen Faserteilchen aus Polyester-Stoffen, die sich bei jedem Waschgang durch das Abflussrohr verabschieden. Und ich dachte bislang immer, das Schlimmste an Polyesterkleidung wäre, dass sie so schnell anfängt, unangenehm zu riechen. Igittigitt.

Demnächst werde ich wohl einiges damit zu tun haben, meinen Kleiderschrank und meine Putzlappensammlung durchzusehen. Nur, wohin dann mit den aussortierten Teilen? Entsorgen, in der Hoffnung, sie dadurch aus dem Teufelskreis herauszugreifen? Verkaufen an Leute, die ansonsten bei C&A oder sonstwo neue Plastikmode gekauft hätten (Who am I kidding? Wer das will, macht es sowieso und trägt nicht meine unmodischen Klamotten auf.)? Oder, wie es mein Studentenbudget nahelegt, weiterverwenden und von Hand waschen in der Hoffnung, dass sich dann weniger Polyesterfasern lösen? Any ideas?

Wer das ganze (mein Entsetzen ausgenommen) noch einmal auf Englisch und etwas detaillierter nachlesen möchte, kann das hier tun.

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Eine Antwort to “Igitt – Wie viel Plastik spülen wir mit jedem Waschgang ins Meer?”

  1. stepheph 15. November 2011 um 22:48 #

    Selbes gilt bestimmt auch für Plastikgeschirr u.ä.

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