Mein Senf zu biologisch abbaubarem Plastik

6 Nov

Nach Stephies doch ziemlich begeistert klingendem Artikel über Bioplastik fühle ich mich irgendwie genötigt, die Wogen der Begeisterung wieder etwas zu glätten. Dabei war ich eine Weile lang auch ganz beseelt von dem Gedanken, für Leute, die sich partout nicht von dem Gedanken lösen können, Plastik in ihrem Leben zu haben, auf Bioplastik umzusteigen.

Verschiedene Informationen und Gedanken haben meine Begeisterung ein bisschen gebremst. Ich war soeben dabei, sie alle aufzulisten, aber bei der Suche nach Quellen ist mir aufgefallen, dass der BUND in seiner Stellungnahme eigentlich schon alles so kurz wie möglich zusammenfasst:

Auf Verpackungsfolien, Biomüllsäcken und Plastiktragetaschen wird immer häufiger das Wort „kompostierbar“ aufgedruckt. Auch Plastikbestecke, Handygehäuse oder Folien für die Landwirtschaft werden als „biologisch abbaubar“ gekennzeichnet. Wie aber steht es tatsächlich um die vermeintliche Kompostierbarkeit?

Angemessene Sortiertechnik fehlt

Plastikmaterialien werden meist aus Erdöl oder zunehmend auch aus nachwachsenden Rohstoffen wie Stärke, Milchsäure und Zellulose hergestellt. Da es jedoch keine adäquate Sortiertechnik gibt, sind Biokunststoffe von anderen Plastikprodukten nicht zu unterscheiden. Deshalb wird Plastik aus Biotonnen zumeist aussortiert und der Müllverbrennung zugeführt. Das Label „kompostierbar“ ist also lediglich ein Wunschbild.

Da die Herstellung von Bioplastik sehr energieintensiv und mit hohen Treibhausgasemissionen verbunden ist, lässt sich im Vergleich zu konventionellen Kunststoffen auch keine bessere Ökobilanz nachweisen. Der Anbau von Pflanzen für Bioplastik steht außerdem in Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln. Hinzu kommen Düngemittel, die die Gewässer belasten.

Besser ganz auf Plastiktüten verzichten

Der BUND empfiehlt, generell auf Plastiktüten zu verzichten, egal ob aus Bioplastik oder aus herkömmlichen Kunststoffen. Die Kennzeichnung als „bio“ oder „kompostierbar“ erzeugt allenfalls ein gutes Gewissen beim Verbraucher. Langelebige Behältnisse wie Stoffbeutel, Netze oder auch Glasbehälter zum Einkauf von Lebensmitteln weisen erheblich bessere Umweltbilanzen auf.

Fairer Weise sollte dem Argument mit den Nahrungsmitteln, die durch Rohstoffpflanzen verdrängt bzw. selbst verarbeitet werden, noch hinzu gefügt werden, dass die Erde eigentlich genug Kapazitäten hat, noch eine Menge Menschen mehr zu ernähren, als heute auf ihr leben. Es sollte also THEORETISCH kein Problem sein, zusätzlich zur Nahrung noch ein paar Rohstoffpflanzen anzubauen – praktisch aber schaffen wir es ja bis heute nicht, Nahrung so zu verteilen, dass alle genug haben. Müssen wir sie da auch noch verknappen? Ich glaube nicht. (Die Verknappung geschieht natürlich zu einem großen Teil durch den Anbau von Futterpflanzen für Nutztiere… aber selbst wenn das mit einem Schlag irrelevant würde, müssten wir ein Problem nicht durch ein anderes ersetzen.) Und vermutlich werden auch Bioplastik-Rohstoffe nicht (nur) dort angebaut, wo es ohnehin einen Überschuss an Nahrung gibt – sondern womöglich gerade da, wo sie eigentlich gebraucht würden, um Menschen zu ernähren. Denn dort sind auch Arbeitskraft und Produktion sicher billiger, es gibt weniger Auflagen, was Dünger und Pestizide angeht, etc.

Ein Bioplastik-Problem, das in Deutschland zugegebenermaßen wahrscheinlich eine eher kleine Rolle spielt (und vermutlich auch deshalb vom BUND nicht erwähnt wird), ist die Tatsache, dass organisches Material beim anaeroben (also ohne Luft stattfindenden und von Fäulnisbakterien erledigten) „Verrotten“ auf Müllkippen Methan freisetzt – was, wie inzwischen wahrscheinlich fast allgemein bekannt, ein viel stärkeres Treibhausgas ist als CO2 (wenn ich mich recht entsinne, ist das Verhältnis in etwa 20:1). Warum sollte das in Deutschland nun nicht so wichtig sein? Nun, ich sollte mir mal die genauen Zahlen suchen, aber etwas sagt mir, dass wir viel mehr Müllverbrennungsanlagen haben als Müllkippen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es die in Deutschland überhaupt noch gibt (was ich doch heute wieder für eine unglaublich informierte Bloggerin abgebe!)… wahrscheinlich allerdings schon, und sollte das so sein, sollte „Bioplastik“ da auf keinen Fall landen.
Weitere nette Abartigkeiten aus dem Sortiment „Lass uns Plastik machen und für grün verkaufen“ sind übrigens Hüllen für Geschirrspültabs, die sich in der Maschine „auflösen“ und Softdrinkflaschen, die zwar aus pflanzlichen Rohstoffen bestehen, aber dennoch den selben chemischen „Bauplan“ haben wie „normale“ PET-Flaschen.

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2 Antworten to “Mein Senf zu biologisch abbaubarem Plastik”

  1. stepheph 7. November 2011 um 00:27 #

    Begeistert klingend vllt ja, aber ich hab ja am Ende meines Artikels auf mögliche Probleme auch hingewiesen.

    • repek 7. November 2011 um 20:06 #

      Weiß ich doch. 🙂 Darum dachte ich ja, es wird Zeit für so einen Beitrag.

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