Vernetzt euch!

2 Nov

Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass ich in diesem Semester wieder nicht besonders viel Zeit mit dem Schreiben von Blogeinträgen verbringen werde – aber bevor ich ins Nirvana eines übervollen Stundenplanes abdrifte, gibt es noch mindestens eine Sache, über die es sich lohnt, zu berichten.

Zwar habe ich in diesem Blog von Anfang an die Position vertreten, dass es sich lohnt, nicht nur am eigenen Verhalten etwas zu ändern, sondern sich für einen größeren Rahmen zu engagieren. Aber wenn man nicht gerade so großzügig ist, mein bisschen Geschreibsel hier als Engagement zu werten (was ich, wenn ich ehrlich bin, eigentlich nicht sein kann), dann habe ich mich bisher darauf beschränkt, Online-Petitionen gegen Atomkraft und Gentechnik zu unterschreiben und ab und zu bei einer Anti-Atom-Demo mitzulaufen.
Aber das ist jetzt vorbei!

Seit diesem Semester bin ich Mitglied im Umweltreferat unseres u-asta, und obwohl wir bisher erst ein Treffen hatten und mit zwei Personen recht unterbesetzt sind, erwarte ich mir viel von der wiederaufgenommenen Arbeit dieses Referats. Wir sind zwar in der glücklichen Lage, an einer Uni zu studieren, die sich selbst gern einen grünen Anstrich geben würde, und deshalb schon einige tolle Sachen umgesetzt hat – am „spektakulärsten“ wahrscheinlich die „Dezentralen monetären Anreize zur Energieeinsparung“. Aber es gibt immer noch viel zu tun!

Das wurde mir besonders deutlich am vergangenen Wochenende, als ich die Chance hatte, zusammen mit dem neuen Umweltreferenten des u-asta auf ein Treffen des Netzwerks „Klimagerechte Hochschule“ zu fahren und mir anzuhören, was an anderen Unis bereits umgesetzt wurde. Sicher, da gibt es solche, die eher Rückschläge einstecken mussten, wenn sie etwas fordern (Beispielsweise wurden auf Wunsch nach Bioessen auch noch die Biokartoffeln, die es bereits gab, aus dem Mensaangebot gestrichen), aber andere können dafür beachtliche Erfolge aufweisen. Jeden zweiten Tag ein veganes Essen, das ist noch Zukunftsmusik, wo sich der RCDS noch ein paar Stimmen erhofft, wenn er zu den Uniwahlen den Spruch „Fleisch statt Sozialismus – gegen den Veggie Day“ plakatiert.

Suchbild: Wo bin ich?

Aber dass auch solche Dinge umsetzbar sind, war ja nicht das Einzige, was ich an diesem Wochenende gelernt habe. Da wäre zum Beispiel noch die Tatsache, dass es möglich ist, 40 Leute zweieinhalb Tage lang vegan zu ernähren, ohne auf einen speziellen Catering-Service zurückzugreifen (der Mythos ist ja doch relativ verbreitet, dass veganes Kochen und Backen wahnsinnig kompliziert sein müsste, weil man ja „nichts mehr verwenden darf“. An dieser Stelle rate ich allen, die vegan für einschränkend halten, mal eine Basendiät zu machen, wie es gerade ein paar Freundinnen von mir tun… aber das ist jetzt wieder ein anderes Thema.). Und dass konsumkritische Stadtführungen nicht nur eine wahnsinnig informative, sondern auch eine sehr unterhaltsame Sache sind.

Vielleicht am wichtigsten an diesem Netzwerktreffen, neben all den netten Kontakten und dem zusätzlichen Motivationsschub, ist aber die Tatsache, dass jede Gruppe für ihre Unis schon andere Projekte umgesetzt hat – und deshalb mit anderen Erfahrungswerten aufwarten kann, die sie jetzt an andere Gruppen weitergibt. So muss nicht jeder neu anfangen, nach Organisationen zu suchen, die Handyrecycling anbieten, und herausfinden, welche veganen Rezepte mensatauglich sind.

Wie viel von dem, was ich von diesem Treffen mitgenommen habe, wie schnell umgesetzt wird, wird sich zeigen – ich kann jedenfalls schon jetzt nur jedem raten: wenn euch manche Dinge an eurer Uni oder in eurer sonstigen Umgebung nerven – dann ärgert euch nicht nur darüber, sucht euch eine Gruppe von Gleichgesinnten und fangt an, zu überlegen, wie sich das ändern ließe! Und natürlich, wenn ihr in Freiburg wohnt: Kommt ins Umweltreferat, Verstärkung ist auf jeden Fall gern gesehen. 😉
Ich jedenfalls hoffe, dass ich trotz erdrückendem Stundenplan die Energie finde, am Ball zu bleiben, bis die ersten Projekte ins Rollen kommen.

Und wenn demnächst aus irgendeiner Pfandflasche ein Dschini schlüpfen sollte und mich fragt, was ich mir für eine grünere Freiburger Uni wünsche, werde ich ihm Folgendes diktieren:

– Der Umgang mit Pappbechern auf unserem Campus ist katastrophal – gar nicht wenige Menschen scheinen sogar zu glauben, TAKE AWAY Becher wären dazu gemacht, sich damit gemütlich ins Café zu setzen, damit man später keine Tasse zum Geschirrwagen tragen muss. Ich würde es deshalb extrem begrüßen, wenn sie einen Anreiz erhalten würden, auf wiederverwendbare Becher umzusteigen – durch eine Zusatzgebühr für Pappbecher-Kaffee. Immerhin verursachen sie ja auch zusätzliche Kosten durch den unnötigen Materialverbrauch.

– Als Veganer (oder auch nur Versuchsveganer) hat man es schon schwer, wenn man aus Zeitgründen gezwungen ist, auf die Angebote des Studentenwerks zurückzugreifen. Mindestens ausgeschildert sollten bereits vorhandene vegane Produkte deshalb meiner Ansicht nach werden – damit endlich die lästige Frage entfällt, ob ein undefinierbares frittiertes Etwas an der Bistrotheke nun Käse enthält oder nicht. Mein eigener Wunsch nicht nur für Vegetarier, sondern auch für Menschen mit Lactoseintolleranz und ähnlichen Einschränkungen wäre aber ein veganes Hauptgericht – oder, wenn das schon nicht geht, öfter eine vegane Ausführung des vegetarischen essens, zum Beispiel, indem sich vegan und vegetarisch im Tagesrhythmus abwechseln. Ach ja, und natürlich belegte Brote ohne Käse, Ei und Wurst – für den schnellen Hunger zwischendurch.

– Wer doppelseitig kopiert oder druckt, braucht zwar nur die Hälfte des Papiers, das sie brauchen würde, wenn jede Seite auf ein eigenes Blatt transferiert würde – aber sie zahlt doch tatsächlich trotzdem den selben Preis! Ich bin mir sicher, dass mehr Leute anfangen würden, diese Funktion zu nutzen, wenn sie sich auch – wie es der geringere Materialaufwand eigentlich nahelegt – finanziell lohnen würde.

– Zumindest für Privathaushalte ist Ökostrom inzwischen sogar manchmal billiger als „konventioneller“, zumindest aber nicht erheblich teurer – müsste das nicht für eien Uni genauso sein? Trotzdem ist das letzte, was ich gehört habe, dass die Uni Freiburg noch immer keinen Ökostrom bezieht. Das muss ich noch einmal genauer recherchieren, sollte es aber tatsächlich so sein, wird es höchste Zeit, dass sich das ändert.

– Ein Programm zur Mülltrennung existiert zwar bereits auf dem Campus – aber man könnte die Recyclingmöglichkeiten durchaus noch ausweiten. Handy- und Elektrorecycling wäre beispielsweise ein Stichwort, das sicher viele Studenten angeht. Und wie sieht es mit all den Dingen aus, die zwar nicht wirklich kaputt sind (also in diesem Sinne auch nicht „recycelt“ werden müssen), aber auch nicht mehr gebraucht werden? Sammelboxen für Elektrokram und permanente Tauschbörsen für odds and ends wären doch ein schönes Weihnachtsgeschenk.

An dieser Stelle würde ich dem Dschini wahrscheinlich erklären, dass mittlerweile beinahe 10 Uhr Abends ist und ich zu müde bin, um noch mehr aufzuschreiben – aber zum Glück werde ich mir ja als allererstes gewünscht haben, dass ich unendlich viele Wünsche frei habe – ich kann meine Aufzählung also getrost ein andermal fortführen.

Gute Nacht!

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Eine Antwort to “Vernetzt euch!”

  1. posy 1. Mai 2013 um 21:25 #

    Hallo Repek, dieser Beitrag liegt ja nun schon einige Monde zurück und ich hoffe, dass sich bei Dir an der Uni einiges getan hat. Ich studiere in Leipzig und bin häufiger Gast in den hiesigen Mensen. Dabei kann ich vermelden, dass es in unserer Zentralmensa schon seit meinem Studienantritt (2004) täglich ein vegetarisches Angebot gibt. Seit etwa 1,5 Jahren gibt es jeden Tag auch ein veganes Gericht, dazu gibt es an der Pastatheke immer mindesten eine vegane und vegatarische Sauce sowie das entsprechende Nudelsortiment, jeweils auch gekennzeichnet. Darüberhinaus haben wir ein Wok-Angebot, dass immer auch eine vegetarische Variante bietet und je nach Sättigungsbeilage auch vegan genossen werden kann.

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