Fliegenfalle ohne Venus

10 Aug

Alles in allem betrachte ich mich als verhältnismäßig tierlieben Menschen. Die Zeiten, da ich Stubenfliegen und Weberknechte als meine „Haustiere“ betrachtet habe, sind zwar vorbei, und ich bin auch nicht bereit, jeden in die Hölle zu stoßen, der sich zum Fleischkonszum bekennt, aber es widerstrebt mir doch, etwas, das auf irgendeiner Ebene als lebendig zu bezeichnen ist, unnötigerweise vom Leben zum Tod zu befördern.

Ich weiß also zum Beispiel, dass Spinnen sehr nützliche Tiere sein können und nicht daran schuld sind, dass wir Menschen uns davon irritiert fühlen, wie viele Beine sie haben. Und wenn ich zu Fuß unterwegs bin und eine Schnecke auf der Straße finde, soll es schon vorgekommen sein, dass ich sie auf die andere Seite trage, bevor ein Auto sie überfährt – vorausgesetzt, die Gute hat ein Haus, an dem ich sie anfassen kann, denn irgendwo ist auch meine Schmerzgrenze erreicht.

Aber diese Verhaltensweisen waren eigentlich nicht als Einladung an sämtliche Fruchtfliegen Freiburgs gedacht, in meiner Küche eine Kommune zu gründen und sich fleißigst fortzupflanzen. Aus dem Biounterricht weiß ich, dass die Fruchtfliege Drosophila durchaus ein interessantes Forschungsobjekt sein kann, aber in meiner Küche führe ich normalerweise keine Kreuzungsversuche durch. Schön, ich weiß, dass ich selbst schuld bin, wenn sich die Viecher bei mir einnisten, weil das wahrscheinlich bedeutet, dass ich meinen Biomüll ein paar Tage zu lang habe vor sich hin gammeln lassen. Trotzdem ziehe ich es vor, meine Untermieter irgendwie wieder hinauszukomplimentieren, und zwar ohne am Ende des Tages ein Häufchen Leichen zusammenkehren zu müssen, denn wie gesagt, ich erkenne das grundsätzliche Lebensrecht jedes Organismus an, solange es nicht gerade ein krankmachender Parasit ist.

Wenn die Fliegenplage sich also meldet, greifen in meiner Küche die folgenden Maßnahmen:

– alles Essbare, mit Ausnahme vielleicht von Brot, wandert umgehend in den Kühlschrank, um nicht noch weiteren Nährboden zu bieten.

– sollte das nicht ohnehin schon passiert sein, wird der Biomüll geleert, aber das dürfte sich von selbst verstehen.

Als Vorsichtsmaßnahme, von der ich noch nicht weiß, ob sie sich bewähren wird, sammle ich meinen organischen Küchenabfall neuerdings in einem Schraubglas neben der Spüle, in der Hoffnung, dass ich dadurch schneller merke, wenn er sich in eine Fliegenfarm verwandelt, und regelmäßiger motiviert werde, ihn auszuleeren.

Bleibt aber noch das größte Problem von allen: Wie mit den schwärmen von Fruchtfliegen fertig werden, die sich bereits eingenistet haben?
Eine Ecosia-Suche nach dem Begriff „Fruchtfliege“ fördert neben dem Kuriosum eines Fanshops für Fruchtfliegenliebhaber vor allem natürlich jede Menge Hinweise auf einschlägige Bekämpfungsmittel zu Tage, deinen eines immer gemeinsam zu sein scheint: Eine Fruchtfliege, die damit in Berührung kommt, ist unweigerlich hinüber, sei es nun, weil sie an einem Leimstreifen hängen bleibt, in Flüssigkeit ertrinkt oder an einer UV-Lampe verschmort. Also nicht das, was ich suche, zumal ich es ja schätze, wenn ich Kram wiederverwenden kann, den ich bereits im Haus hatte.

Versuchsweise habe ich mich also daran gemacht, meine eigene Fliegenfalle zu basteln, die im Grunde das Ziel hat, meine Untermieter anzulocken und so lange einzusperren, bis ich sie in die freie Wildbahn entlassen kann. Und bevor mich jetzt jemand darauf hinweist, dass sie dort mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls sterben werden: Mag sein. Aber wenigstens haben sie davor noch mal eine zweite Chance bekommen.

Die Falle lässt sich innerhalb von wenigen Minuten einfach herstellen:

Hauptzutaten: Ein Schraubglas ohne Deckel, ein Stück Plastikfolie oder Papier als Deckelersatz und ein Gummiband, um beides zusammenzuhalten.

kleine Löcher in der Membran dienen als Einfluglöcher für die Fliegen.

Ebenfalls ganz wichtig: Die entsprechende Befüllung. Gemüse- und Obstreste oder ein Klecks Marmelade eignen sich gut als Lockmittel.

Zur Warnung vorab: Die Falle sollte jeden Tag ein bis zwei Mal geleert werden und eignet sich nicht als Schnellkur. Ein paar Tage muss man die Behandlung schon durchziehen, bis die Küche wieder fliegenfrei ist, also wenn sich für morgen die Mama zum Brunch angesagt hat, ist vielleicht doch eine durchschlagendere Methode gefragt… ansonsten bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

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