Plastikfreies Zähneputzen – Nachahmung nur eingeschränkt empfohlen

14 Jun

Da ich bereits vor meinem (inzwischen nur allzu oft praktischer Weise wieder „vergessenen“) Entschluss, mein Leben von Plastik zu entrümpeln, viele Produkte gerade im Körperpflegebereich durch Selbstgemachtes ersetzt habe – siehe Shampoo und Deo – war die Zahnpflege eines der ersten Dinge, auf die ich stieß, als ich nach Ursachen von Verpackungsmüll in meinem Bad suchte.

Erfahrungsbericht einer Zaudernden: Zahnbürstenersatz

Am offensichtlichsten plastikbelastet ist natürlich die Zahnbürste – durch und durch aus Kunststoff und nur deshalb vielleicht eingeschränkt berechtigt, den Zusatz „Öko“ im Namen zu tragen, weil es sich um eine Wechselkopfzahnbürste handelt, ich also zu gegebener Zeit nur den Kopf und nicht die komplette Zahnbürste austauschen muss, was definitiv weniger Abfall verursacht. Mit vollen Namen nennt sich das Modell, das ich benutze, „Aronal Öko-Dent“, aber ähnliche Zahnbürsten sind auch von anderen Herstellern erhältlich.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Bisher habe ich keine für mich sinnvollere Alternative gefunden und erprobt.
Zwar gibt es Zahnbürsten aus Holz bzw. Horn, bestückt mit Pflanzenfasern oder Tierborsten, aber jede einzelne davon muss komplett ersetzt werden, wenn die Borsten Abnutzungserscheinungen zeigen. Bei einer Holzzahnbürste mag das ja noch halbwegs angehen, aber ich bin eigentlich nicht bereit, einen Gegenstand, der aufwändig aus tierischem Material hergestellt wurde, alle paar Wochen bis Monate zu ersetzen, wenn es auch anders geht.

Als perfekte Lösung erscheinen mir in gewisser Weise die sogenannten Miswak-Hölzchen. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um Holzstäbchen, die vor der Benutzung am Ende angekaut werden müssen, sodass sie zerfasern, und die dann als Zahnbürste dienen. Damit, dass sie importiert werden müssen, hätte ich mich ohne Weiteres anfreunden können – schließlich ist Erdöl, also die Grundlage der meisten Kunststoffe, auch nicht gerade ein heimisches Produkt und hat somit einige Kilometer auf dem Buckel, bevor es in welcher Form auch immer bei mir ankommt -, aber leider lassen sich die Hölzchen nur einzeln in Plastik verpackt erwerben, was mich eine Weile lang abgeschreckt hat. Wenn ich es mir allerdings recht überlege, sind auch die Wechselköpfe für meine Zahnbürste immer in einer zusätzlichen Hülle verpackt – der Unterschied wäre also vermutlich nicht allzu groß. Etwas Sorgen macht mir bisher noch die Anwendung – ich kann mir nicht recht vorstellen, wie sich mit diesem Hölzchen in allen Ecken richtig putzen lässt.

Ein Mittelding zwischen Urzahnbürste und konventioneller Zahnbürste stellt das „Swak“-System dar, bei dem Köpfchen aus Miswak in einen Zahnbürstengriff aus Zellulose-basiertem Kunststoff eingepasst werden. Hört sich traumhaft an – ist aber leider ein wenig kostspielig. Für den Griff einmalig 10 Euro auszugeben, wäre ich ja bereit – aber weitere 9 Euro für lediglich drei Köpfchen kommt mir doch etwas teuer vor.

Abenteuer für die Geschmacksnerven: Zahnpasta aus Eigenproduktion

Während ich also zum Thema Zahnbürste aus lauter Unentschlossenheit nur die Trockenübung einer Internetrecherche durchgeführt habe, hat mich mein Weg zum Ersatz von Zahnpasta schon etwas weiter geführt. Ausgangspunkt war dabei in meinem Fall nicht die übliche Plastiktube, sondern eine Metalltube mit Kunststoffdeckel, denn ich verwende bereits seit längerem „Naturzahncreme“ von Weleda, in der Hoffnung, damit ein etwas umweltschonenderes Produkt zu erwerben. Im Rahmen meines Bemühens, möglichst wenig Müll zu verursachen, wurde mir jedoch auch das, was davon noch übrig war, zu viel, und ich beschloss, dem Gerücht nachzugehen, dass man Zahncreme auch relativ leicht zuhause herstellen kann.

Was soll ich sagen? Es war nicht nur ein Gerücht, man kann.
Wie sinnvoll das allerdings für die Zahngesundheit ist, kann ich bis heute nicht richtig einschätzen – immerhin bin ich kein Zahnarzt. Darum habe ich mich auch entschieden, ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass ich diese Experimente nur mit Einschränkung und auf eigenes Risiko zur Nachahmung empfehlen kann – siehe Überschrift.

Nachdem das gesagt ist, wie sieht so eine hausgemachte Zahnpasta also aus?
Zunächst einmal musste ich mich von dem Gefühl, eine Paste auf meine Bürste aufzutragen, die ich dann auf den Zähnen verreibe, verabschieden. Die Ersatzprodukte, die ich bisher ausfindig gemacht habe, sind allesamt eher fester Natur, auch wenn sie sich durch Zugabe von Wasser zum Teil in pastenähnliche Konsistenz bringen lassen.

Versuch I – Haushaltsnatron

Mein Lieblingsprodukt für alle Anwendungen, die irgendwie auf Sauberkeit hinauslaufen sollen. Inspiriert von einigen Amateurrezepten aus dem Internet habe ich Natron in verschiedenen Zusammensetzungen als Zahnputzmittel verwendet: pur, vermischt mit Salz, vermischt mit Salz, Wasser und etwas Zimt (für den Geschmack)… Soweit ich das beurteilen kann, hat die Anwendung grundsätzlich auch tadellos funktioniert. Ich hatte jedenfalls keine Sorge, danach mit Mundgeruch durch die Gegend zu laufen. Allerdings konnte ich nach dem Zähneputzen regelmäßig einen leichten Schmerz an – wie ich vermute – besonders empfindlichen Stellen am Zahn spüren – und da Natron auch als Aufhellmittel für die Zähne empfohlen wird, hatte ich irgendwann die Sorge, es könnte zu viel von meinem Zahnschmelz abtragen, und habe es wieder aus meinem Mund verbannt.

Versuch II – Heilerde

Geschmacklich überraschenderweise die angenehmste meiner Entdeckungen – leicht erdig, ja, aber nicht so salzig wie das Natron und auch weniger gewöhnungsbedürftig als Versuch III. Größter Wehrmutstropfen dabei war, dass ich regelmäßig einen bräunlichen Schleier aus meinem Waschbecken zu entfernen hatte, weil eben nicht alle der ultrafeinen Partikel sofort mit Wasser weggespült werden. Auch hier hatte ich die Sorge, dass meine Zähne zu sehr poliert werden könnten, aber keine physischen Hinweise darauf wie beim Natron.

Versuch III – Seife

Kontraintuitiv wie kaum etwas anderes… Ich erinnere mich, wie es mich immer innerlich schüttelte, wenn ich von Leuten hörte, die ihre Kinder angeblich (früher, in einem weniger aufgeklärten Jahrhundert 😉 zwangen, ihren Mund mit Seife auszuwaschen, wenn sie etwas „Unanständiges“ gesagt hatten. Nachdem ich aber auch auf diese Empfehlung zum plastikfreien Zähneputzen gestoßen war, wollte ich sie wenigstens einmal ausprobiert haben – und war überrascht, als wie praktikabel sie sich erwieß. Zugegeben, besonders lecker schmeckt auch meine hausgemachte Kaffeeseife (ein Überbleibsel aus dem Seifensiede-Kurs) nicht. Aber so ekelhaft, wie ich es mir vorgestellt habe, ist der Geschmack dann auch wieder nicht. Die Methode besticht außerdem duch ihre Einfachheit – ich muss keine Pasten oder Pülverchen in stoßanfälligen Gläschen mit mir führen, sondern verwende einfach ein Stück Seife, das bei Bedarf mit der angefeuchteten Zahnbürste etwas aufgeschäumt wird.

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3 Antworten to “Plastikfreies Zähneputzen – Nachahmung nur eingeschränkt empfohlen”

  1. stepheph 8. Oktober 2011 um 19:06 #

    Toothy Tabs sind ebenfalls eine gute Alternative meiner Meinung nach… Zahnpulver gibt’s auch, hab ich aber noch nicht ausprobiert.

  2. repek 9. Oktober 2011 um 11:43 #

    Sind Tooty Tabs nicht furchtbar teuer? Ich bin inzwischen sehr glücklich mit meinen Miswak-Sticks und habe es in Ägypten auch geschafft, mich mit einem kleinen Vorrat einzudecken.

  3. gunni 3. November 2012 um 16:58 #

    ich benutze derzeit bio unraffiniertes kokosöl für meine zähne. und um es geschmacklich richtig angenehm zu machen, habe ich es mit xylit und bio-minzöl „verfeinert“. ein bisschen mehr minzöl sorgt zwar für kühle schärfe, aber macht den atem wunderbar frisch!

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