(Verspäteter) Grüner Ostergruß: Wildgemüse

27 Apr

Wenn ich meiner Mutter von meinen Ernährungsgewohnheiten erzähle, meint sie gerne mal, ich sei „von den Höhlenkindern geprägt“. Dabei weiß ich nicht so recht, ob sie das gut oder beunruhigend findet, ich nehms mal als Kompliment – obwohl mich mein Lieblingskinderbuch (das ich gefühlte drei Milliarden Mal gelesen habe und sich seinen Kultstatus allenfalls vielleicht mit Harry Potter teilen muss 😉 sicher nicht zu einer Expertin auf dem Gebiet des Nahrung-selber-Sammelns gemacht hat. Dass es kein Unkraut gibt, habe ich dafür schon früh gelernt – jaaa, Peter Lustig war mein Idol. 😀

Und obwohl ich jetzt bei weitem nicht anstrebe, mich ausschließlich von dem zu ernähren, was ich selber sammeln kann (ich bin zu sehr Stadtkind, um das überhaupt zu wollen), schätze ich ein paar wild gesammelte Ergänzungen zu meinem Speiseplan, die ich im Moment vor allem zu Smoothies verarbeite und ab und an mit Haferflocken als „Frühlingspampe“ esse. Daneben gibt es natürlich Bärlauchbrot, Brennnesselgemüse, Spitzwegerichtee usw., die alle irgendwann schon mal in meinem Magen gelandet sind.

Und nach dem meine Ostermontagsbeschäftigung in einem „Kräuterlauf“, also einem Spaziergang mit einer „Kräuterpädagogin“ bestand, und ich dabei noch Einiges dazu gelernt habe, ist im Moment auch meine Motivation groß, mein bisheriges Wissen zum Thema Wildkräuter ein bisschen zusammenzufassen.

Und warum bitte soll es „grün“ sein, solche Gewächse in den Speiseplan zu integrieren? Ich bin einfach ein großer Freund davon, vorhandene Ressourcen auch zu nützen, bevor man sich nach auswärtigen, energie- und rohstoffintensiveren Alternativen umsieht. Im Klartext: Ich schätze, Brennnesselgemüse aus dem Garten ist besser für die Umwelt als Tiefkühspinat – es seidenn, man geht so weit, die Nesseln in seiner Gier völlig auszurotten, was dann zumindest suboptimal wäre.

Giersch – Seit ich den nicht mehr für meine Meerschweinchen sammle, esse ich ihn eben selbst. Etwas problematisch ist an der Pflanze, dass es wohl einige giftige Pflanzen gibt, mit denen man ihn verwechseln kann. Um sicher zu gehen, rieche ich – wie beim Bärlauch – erst mal an den Blättern, um festzustellen, ob ich wirklich die richtige Pflanze erwischt habe – allerdings lässt sich der Geruch leider nicht so leicht auf einen Punkt bringen wie der Knoblauchgeruch des Bärlauchs. Außer LECKER fällt mir dazu nicht viel ein. 😉 Wikipedia beschreibt den Geruch und Geschmack als ähnlich wie Petersilie… jetzt, wo ichs mir überlege, das könnte stimmen. Außerdem sagt diese Quelle der Weisheit (ja, ich weiß. 😀 Aber Wikipedia gibt zu solchen Themen einfach am schnellsten am meisten her), das Kraut sei ein guter Lieferant für Vitamin C, Kalium, Carotin und Eisen.

Ich mixe es meistens in meine Smoothies, es eignet sich aber auch als Salatergänzung.

Brennnesseln – Wahrscheinlich das „abartigste Unkraut“ auf meiner Liste… und vermutlich fragt sich jeder, der es noch nie gegessen hat, ob das im Mund nicht brennt. Tut es nicht. Gekocht wird es mehr oder weniger zu Spinat… und auch roh kann man es so verarbeiten, dass die Brennhärchen nicht mehr stören – zermixt als Smoothie (Ich gebe mich als Junkie zu erkennen) oder (allerdings habe ich das nur gelesen und nie persönlich ausprobiert) durch Mischen im Salat.

Soll wieder viele Vitamine enthalten und, was mich überrascht hat, jede Menge Eiweiß – laut meiner nicht ganz wissenschaftlichen Recherchequelle 😉 mehr als Sojabohnen.

Sauerampfer – Trotz vieler, vieler Warnungen vor eventuellen Spritzmitteln auf der Wiese kann ich bis heute schlecht vorbeigehen, wenn ich diese Köstlichkeit irgendwo entdecke. Am liebsten esse ich die Blätter pur – inzwischen habe ich auch Sauerampfer-Saatgut im Handel gefunden und selbst mal welchen gezogen, was zeitweise dazu führte, dass ich genug hatte, um ihn auch als Smoothie-Beigabe oder als Suppe auszuprobieren. Alles sehr delikat!

Leider war das Gärtnerglück nicht von sehr langer Dauer und das Wildsammeln bietet neben dem Problem, dass man nie weiß, was bereits darauf verspritzt wurde, auch jenes, dass es bei den kleineren Blättern des wilden Sauerampfers sehr lange dauern würde, eine Menge zu sammeln, die über einen schnellen Snack am Wegesrand hinausgeht.

Sauerklee – genauso lecker wie der Sauerampfer und mit ähnlichen Warnungen behaftet. Hier ist es der Fuchsbandwurm, von dem meine Mutter immer befürchtet hat, dass ich ihn mir einfange. Ist bisher zum Glück nie passiert, aber das ist wohl mehr auf Glück als auf Verstand zurückzuführen.

Die hellen Einsprengsel gehören nicht zum Erscheinungsbild - das sind Pollen, die sich auf dem Klee abgelagert haben.

Löwenzahn – zugegeben etwas bitter. Zumindest die Blätter. Gelegentlich mische ich ihn trotzdem unter meine Smoothies – in hömöopathischen Dosen. Ansonsten habe ich schon ausprobiert, Ersatzkaffee aus den Wurzeln herzustellen, was zwar gut geschmeckt hat, aber eine Heidenarbeit war – Eichelkaffee ist bei weitem einfacher herzustellen. Und im Moment zieht ein Blütensud auf dem Herd, der morgen früh zu einem Gelee – „Löwenzahnhonig“ – verarbeitet werden soll. Mal sehen, wie das schmeckt.

Bärlauch – Über keine Pflanze habe ich so viele abschreckende Geschichten gehört wie über diese. Oder vielmehr über diejenigen, mit denen der Bärlauch gern verwechselt wird – giftiges Zeug wie Maiglöckchen usw. Weil Bärlauch aber so unglaublich lecker schmeckt, jedes Frühjahr tonnenweise aus der Erde schießt und mit dem einfachen Trick, ein Blatt abzupflücken und daran zu schnuppern (sollte nach Knoblauch riechen) ziemlich zweifelsfrei zu erkennen ist, sammle ich ihn weiterhin. Ich sollte allerdings hinzufügen, dass man mich vor dem reinen Vertrauen auf die Geruchsprobe gewarnt hat – immerhin kann der Knoblauchgeruch auch von früher gefundenen Bärlauchblättern noch an den Fingern haften und dann so wirken, als ginge er von der Pflanze aus.

Hat man dann aber mal das richtige Kraut gefunden, lässt es sich verarbeiten als Pesto (ich suche noch nach einem guten Rezept), Bärlauchsuppe, Gewürzkraut oder einfach nur pur aufs (Butter-)Brot. Nach einer Möglichkeit der Haltbarmachung suche ich noch, denn wie gesagt – meine Pesto-Versuche lassen bisher zu Wünschen übrig.

Gänseblümchen – Vor allem nett als essbare Dekoration – die Blüten, meine ich. Die Blätter habe ich früher als Tee gesammelt… aber, so weit ich weiß, nie getrunken. 😀 Das war wohl ein akuter Anfall von „Oh, ich kenn diese Pflanze und sie hilft gegen irgendwas (und seis auch noch so abwegig) – SOFORT SAMMELN!“

Schafgarbe – auch das habe ich lange Zeit als Tee gesammelt, aber eher weniger getrunken. Jetzt habe ich auf dem Kräuterspaziergang erfahren, dass man sie auch als Salatzugabe verwenden oder mit Butter und Zitronensaft vermischt als Brotaufstrich verwenden kann. Letzteres werde ich womöglich (unter Austausch der Butter gegen Margarine oder Pflanzenöl) bald einmal ausprobieren.

Buche – Auch das ist eine neue Entdeckung für mich – die jungen Blätter geben, wie ich seit Montag weiß, eine gute Salatbeigabe ab. Sehr zu meiner Verblüffung schmecken sie leicht säuerlich, wie übrigens auch die jungen Triebe von Fichten – das wusste ich allerdings schon länger.

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