Bayern2: „Das Hühner-Dilemma – Reizthema Massentierhaltung“. Und wieder stirbt ein Mythos.

22 Apr

Es gab mal eine Zeit, da habe ich lieber Hühnerfleisch gegessen als anderes Fleisch, „weil es ja fürs Klima viel besser ist“ – der CO2-Ausstoß pro Kilo ist bei Geflügelfleisch tatsächlich niedriger als bei anderen Fleischarten.

Aber wie es manchmal so geht, bin ich dabei dem bequemen Irrtum aufgesessen, dass ich mich jetzt mit dem Thema Fleisch genug beschäftigt hätte, und habe – obwohl mir irgendwie durchaus klar war, dass Massentierhaltung noch ganz andere Probleme verursacht als eine hohe CO2-Belastung der Atmosphäre – die Problematik für mich auf sich beruhen lassen.

Es sollte also nicht überraschen, dass mich eine Sendung, die gestern Abend von Bayern2 gesendet wurde, für mich einige üble Überraschungen bereithielt, obwohl ich mich normalerweise, was Umwelt- und Tierschutz angeht, als gut informiert betrachte. In dem Beitrag „Das Hühner-Dilemma – Reizthema Massentierhaltung“ hat sich der Sender mit den verschiedensten Aspekten der Hühnerhaltung beschäftigt und räumt vor allem mit dem Mythos auf, Hühner existierten immer noch als „Zweinutzungs-Huhn“ – nämlich als Eierproduzenten, die irgendwann auch Fleisch liefern.

Im Gegenteil, laut Beitrag sind Legehennen inzwischen so aufs Eierlegen gezüchtet, dass sie kaum noch Fleisch ansetzen – egal, ob das betreffende Tier nun männlich oder weiblich ist. Das bedeutet auch, dass männliche Küken praktisch nutzlos sind und noch am ersten Lebenstag geschreddert werden, weil es schließlich niemandem zu Gute käme, sie aufzuziehen. Die Tiere selbst sind in diesem Zusammenhang wohl „niemand“ –  allerdings ist auch zweifelhaft, ob die weiblichen Hühner, die ihr Leben noch eine Weile lang weiterführen dürfen, wirklich zu beneiden sind.

Und damit kommen wir zum zweiten Mythos, dem ich bisher auch aufgesessen bin: dass „Bodenhaltung“ eine tiergerechtere Art der Hühnerhaltung darstellt als andere Haltungsformen (Stichwort „Legebatterie“ oder „Kleingruppenhaltung“): Die Haltung auf engem Raum ohne Gelegenheit zum Auslauf, Scharren und Picken leistet nämlich zumindest bei einer Hühnerrasse dem „Federpicken“ Vorschub, einem Verhalten, bei dem die Hühner anstatt auf dem Boden aneinander herumpicken und ihr auserkorenes Opfer irgendwann umbringen und eventuell sogar auffressen.

Was die Sendung von Bayern2 allerdings enorm bereichert, ist, dass sie nicht nur solche Problematiken anspricht, sondern auch, wie Wissenschaftler damit befasst sind, sie zu lösen. Mein Fazit dazu lautet, dass keiner der heute praktikablen Lösungsansätze gut genug ist, um mich zu überzeugen, und die einzige Möglichkeit, Tierquälerei zu verhindern, wieder einmal ist, nur solches Fleisch und solche Eier zu konsumieren, bei denen man absolut sicher sein kann, dass sie unter Bedingungen produziert wurden, die man selbst gutheißen kann. Aber wo kann man das schon, es seidenn, man zieht die Hühner zufällig selbst? Eben.

Also mal wieder ein Argument dafür, den Fleischkonsum drastisch herunterzufahren.

Die Sendung lässt sich unter http://www.bayern2.de als Podcast herunterladen. Ich selbst habe sie mir auch abgespeichert, sollte sie also nicht mehr verfügbar sein, kann ich sie gerne weitergeben.

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Eine Antwort to “Bayern2: „Das Hühner-Dilemma – Reizthema Massentierhaltung“. Und wieder stirbt ein Mythos.”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Ei, Ei, Ei… « mueckeblog - 30. März 2012

    […] dazu z.B. der Bayern2-Podcast, gesendet ursprünglich am 21.4.2011, den ich vor einiger Zeit schon empfohlen habe). Selbst die glücklichste Freiland-Bio-Legehenne ist eben genau das: eine Legehenne, und […]

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