Abfallfreies Einkaufen und Plastiktütenverbot

14 Apr

Manche Produkte lassen sich relativ einfach plastikfrei einkaufen. Brot beispielsweise bekomme ich bei fast jedem Bäcker in der Papiertüte ausgehändigt – aber ist das eine ideale Lösung? Immerhin bleibt es dabei, dass für ein Produkt, das ich grade mal für den Weg vom Bäcker nach Hause „brauche“, Rohstoffe verpulvert werden. Das selbe gilt für Papier-Tragetaschen, die an der Supermarktkasse als Alternative zu Plastik angeboten werden. Zwar würde ich sie in einem Notfall – das heißt, wenn ich dringend große Mengen kaufen müsste und keine Möglichkeit hätte, auf Mehrwegtaschen zurückzugreifen – den Plastiktüten immer noch vorziehen. Denn die Tatsache bleibt bestehen, dass sich eine Papiertasche leichter entsorgen – sprich recyceln oder kompostieren – lässt als ihr Plastik-Gegenstück. Aber als Freibrief zum Verwenden von Papiertüten sehe ich diesen Vorteil noch lange nicht an, und das nicht nur wegen der unvermeidbaren Verschwendung von Rohstoffen:

In einer Publikation des Umweltbundesamtes heißt es mit Bezug auf Papier-Tragetaschen:

Die gängige Meinung, Papier sei generell besser als Kunststoff, stimmt nicht. Für Tragetaschen aus Papier sind besonders lange und damit reißfeste Zellstofffasern notwendig, zuvor behandelt mit Chemikalien. Ob
Papiertüten im Einzelfall besser oder schlechter sind als Tüten aus Kunststoff, hängt vom verwendeten
Rohstoff (Altpapier oder Recyclingkunststoff) und der Art der Entsorgung ab. Die Unterschiede
zwischen Papier- und Kunststofftüten werden jedoch bedeutungslos, wenn man bedenkt,
dass es mit der Mehrweg-Einkaufstasche eine wesentlich bessere Alternative gibt.

 

Wie so vieles hat auch die Frage, wie wir unsere Einkäufe nach Hause tragen, natürlich mehrere Dimensionen: Die eine ist meine ganz persönliche Entscheidung, die zwar absolut betrachtet keine große Wirkung haben mag, aber den Vorteil hat, dass ich die Möglichkeit habe, direkt und sofort darauf Einfluss zu nehmen. Einige Ansätze, wie ich mein Aufkommen an Verpackungsmüll reduziere, weiter unten in diesem Beitrag und sicherlich noch oft in zukünftigen Blogeinträgen.

 

Vom Sinn und Unsinn der gesetzlichen Regelung

Die zweite Dimension, die sehr viel mehr Menschen betreffen kann und damit auch die größere Wirkung erzielt, ist die gesellschaftspolitische. Beispielsweise wird immer wieder darüber diskutiert, ob man Plastiktüten nicht generell verbieten sollte – einige Länder haben das bereits getan. Das Problem: Wenn die Einstellung erhalten bleibt, dass es normal und problemlos ist, für jeden Einkauf eine neue Wegwerftüte zu verwenden, weichen Konsumenten unter Umständen einfach auf Papiertüten aus, was, wie oben bereits angedeutet, keine wirkliche Verbesserung der Lage darstellt.

Die wesentlich bessere Alternative scheint eine Steuer bzw. Abgabe auf Einweg-Einkaufstüten zu sein – die sowohl auf die Plastik- als auch auf die Papiervariante erhoben wird. Dabei bleibt es erstens dem Staat erspart, weitere unsinnig kleinteilige Verbote zu erlassen, während Verbraucher weiterhin im „Notfall“ zu praktischen Einwegtüten greifen können.

Zweitens wird der „Ausweicheffekt“ verhindert und stattdessen – hoffentlich – wirklich für eine größere Anzahl anMenschen eine Motivation geschaffen, Mehrwegtaschen zum Einkaufen mitzubringen. Um das zu gewährleisten, muss natürlich die Abgabe pro Einwegtasche auch spürbar sein – zwei, drei Cent machen kaum einen Unterschied. Dass eine spürbare „Besteuerung“ auch einen spürbaren Nutzen nach sich ziehen würde, lässt sich meiner Ansicht nach leicht nachvollziehen, wenn wir einen Blick auf das werfen, was heute schon Gang und Gäbe ist: in den meisten Lebensmittelmärkten sind Einkaufstüten – egal ob ein- oder mehrweg – nur gegen Aufpreis zu haben, in anderen Läden, beispielsweise Modegeschäften, werden sie kostenlos angeboten – wenn man die Selbstverständlichkeit, mit der sie einem nachgeworfen werden, noch als „Angebot“ bezeichnen will. Im Supermarkt beobachte ich eher selten, dass jemand zur Einwegtasche greift – Passanten mit Taschen, die das Logo eines Modelabels tragen, gehören dagegen zur Grundausstattung  jeder Fußgängerzone.

Dass sich eine Tüten-Abgabe realisieren lässt, zeigt das Beispiel Irland, wo sie bereits seit 2002 besteht.

Obwohl ich von Unterschriftenaktionen für das Plastiktüteverbot gehört habe, hat sich mir aber leider bisher noch nicht erschlossen, wie sich die Abgaben-Alternative unterstützen ließe. Sobald ich es herausfinde, mehr dazu.

Man könnte die Idee natürlich auch weiter denken – was ist mit den anderen Einweg-Verpackungen, die Straßen und Fußgängerzonen „verschönern“? Wie wäre es wohl, wenn wir für jeden Plastikeisbecher und jeden Coffee-To-Go-Becher einen Aufpreis zahlen müssten? Würde das mehr Leute motivieren, über abfallfreie Alternativen nachzudenken – beispielsweise einen Mehrwegkaffeebecher, womöglich sogar mit Thermosfunktion, um den Koffeinschock schön warm zu halten?

 

„Ich bin komisch, ich darf das!“ – abfallfreies Einkaufen

(Christiane, falls du das hier jemals lesen solltest, vielen Dank für diese auf alle Lebenslagen anwendbare Ausrede. :D)

Womit wir bei der Eigeninitiative wären. Manche Dinge, beispielsweise die Stofftüte für den Wocheneinkauf oder der wiederbefüllbare Thermos-Kaffeebecher scheinen sich ja glücklicherweise langsam durchzusetzen. Jedenfalls haben die meisten Menschen schon mal davon gehört – auch wenn erstaunlich wenige auch bereit sind, den minimalen Mehraufwand zu betreiben und damit Müll einzusparen.

Mit anderen Ideen wird man zwar mitunter etwas schräg angeschaut, bekommt aber in der Regel seinen Willen – so wie ich mit meinem Stoff-Brotbeutel, der Konsequenz aus der einleitenden Überlegung:

 

Durch ein paar zusätzliche Nähte umfunktioniertes Messemitbringsel von meinem Papa - zwar nicht plasitkfrei, aber sicherlich ressourcenschonender als ein niegelnagelneuer Baumwollbeutel

 

 

Und dann gibt es noch diejenigen Alternativen, die sich zwar bieten, aber nicht nutzen lassen – das durfte ich bei einem charmanten Gespräch an der Käsetheke eines Lebensmittelmarktes feststellen, wo sich die Verkäuferin schlicht weigerte, mir meinen Käse in eine mitgebrachte Glasdose abzupacken. An sich kein Problem, dachte ich, schließlich wird der Käse frisch geschnitten und dann erst verpackt. Es dürfte also doch wohl relativ egal sein, ob er in meine Dose oder eine 08/15-Wegwerfverpackung wandert? Fehlanzeige.

Die erste Verkäuferin, an die ich geriet, erklärte mir, sie müsste erst ihre Kollegin fragen, ob das ginge, und wollte schon damit anfangen, mir den Käse aufzuschneiden – natürlich unter Zuhilfenahme des plastikbeschichteten Papiers, das ich ja eben vermeiden wollte. Ich habe sie also gestoppt und erklärt, ich wollte erst wissen, ob ich meinen Käse so verpackt haben kann, wie ich das möchte, bevor sie ihn aufschneidet.

Erneutes Warten, dann erschien die Expertin – die mir rundheraus erklärte, sie könnte so was nicht machen.

Da müsste sie ja schließlich die Waage neu tarieren, habe ich auf meine Frage nach dem Grund erfahren.

Das würde dann dauern.

Und obwohl die Gewichtsangaben von Papier und verschiedenen Plastikbechern, wie ich gehört habe, sowieso eingespeichert sind (also vermutlich nicht gänzlich verloren gegangen wären, wenn sie auch noch meine Glasdose gewogen und dieses Gewicht dann von meinem Einkauf abgezogen hätte), schien das ein großes Problem zu sein.

Dabei war ich, wie ich hinzufügen möchte, weit und breit die einzige Kundin, ich hätte also niemanden ungebührlich lange warten lassen.

Sie könnte mir den Käse ja einpacken und ich könnte ihn dann selbst umpacken, lautete der Vorschlag.

Riesenidee. 😀

Schließlich habe ich ihr erklärt, ich würde meinen Käse woanders einkaufen, seitdem aber keinen Versuch gestartet, in einem anderen Laden das selbe zu probieren. Ein bisschen Käse war mir einfach bisher eine neuerliche Diskussion nicht wert. Vielleicht besser so – schließlich habe ich inzwischen herausgefunden, dass Käse in der Klimabilanz schlechter abschneidet als manche Fleischsorten – einige Tabellen ordnen ihn sogar noch CO2-„belasteter“ ein als Rindfleisch, andere vor diesem, aber hinter Schweine- und Geflügelfleisch. Die Unterschiede ergeben sich, nehme ich an, je nach dem, welche Faktoren in die Berechnung der CO2-Bilanz mit einbezogen werden. Ermutigend ist nichts von alledem, eher ein weiteres Argument, sich vegetarisch zu ernähren.

Wenn Käse bloß nicht so lecker wäre…

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Eine Antwort to “Abfallfreies Einkaufen und Plastiktütenverbot”

  1. Frank 25. August 2011 um 15:02 #

    Hier haben mal ein paar junge Leute getestet, wie es wirklich um die Bereitschaft steht, auf Stofftaschen umzusteigen. Entspricht dem Tenor der Diskussion hier. Und daher empfehlenswert 😉 : http://www.youtube.com/watch?v=kO_kuNZ_KBc

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