Eine andere Ernährung

5 Apr

Die Umstellung meiner Ernährung und meiner Lebensweise war und IST keine 180° Drehung auf einen Schlag gewesen. Zwar meinte ich selber, Umwelt und Tiere lägen mir am Herzen, aber im alltäglichen Leben fällt es schwer, sich über Dinge aufzuregen die einen nicht offensichtlich tangieren. Obwohl der Handel und Verbrauch von Tierprodukten in Wahrheit viele Aspekte unseres Lebens und unserer Umwelt betrifft,  verschob ich es, (wie die meisten auf die eine oder andere Weise) immer gern auf “später” wenn ich eine eigene Wohnung haben würde und mein Leben selber in der Hand haben würde, und nicht mehr aus dem Kühlschrank meiner Familie leben würde. Doch die Person, die mir den entscheidenden Anstoß gegeben, hat u.a. der Umwelt zuliebe gleich Veganismus anzustreben, war mein älterer Bruder.

Um es kurz zu machen: Ich hatte nie daran gedacht, dass ER auf die Idee kommen würde sich der Umwelt und Tierschutz zu Liebe Vegetarisch und dazu noch Vegan zu ernäheren! Ich gestehe, dass ich ihn immer als recht ich-fokussiert angesehen hatte… und dann noch meine Vorurteile, dass er als Heavy/Death/Black Metal fan doch eine nicht unbedingt natur- und tierliebende Philosophie verkörpert. Aber da lag ich wohl gehörig falsch zum einen ihn auf diese Phase seines Lebens zu reduzieren, und mein selbstgeformtes Klischee auf alle Metaller zu projizieren. Offensichtlich falsch.

 Nach seinem Umzug nach Berlin, hörten meine Familie und ich nach ein paar Wochen, dass er zusammen mit seiner Freundin einen “Veganen Monat” mache. Es blieb für ihn nicht nur bei diesem Zeitraum. Da er mein Bruder ist, liess ich mir es natürlich nicht entgehen ihn ein klein wenig zu necken über diese meiner Meinung nach „uncharakteristischen“ Anwandlung (ganz schön blöd, aber wer lässt es sich entgehen ein Geschwister zu ärgern?), aber gleichzeitig war mein Interesse geweckt und ich löcherte ihn mit Fragen und bedenken und “machte immer mit” wenn er bei uns Zuhause war.

Als ich ihn nach meinem Schulabschluss besuchte, war ich bereits fest entschlossen mich gegen Umfeld und Eltern durchzusetzen und ebenfalls vegan zu leben. In Berlin erlebte ich dann wie es im richtigen Umfeld sein könnte – Vegane Fast-Food Restaurants, Vegane Eisbuden, Vegane Gourmet-Restaurants. Nicht verwunderlich, aber ironisch das gerade die Großstädte mehr für die Umweltfreundliche und ethische Ernährung zu bieten haben, und gerade in Berlin.

 Leider bin ich kein sehr konsequenter Mensch und nicht besonders mit Durchsetzungsfähigkeit gesegnet. Wieder Zuhause in Bayern fiel – fällt – es mir doch schwer mich gegen die Verlockungen des Familienkühlschrank zu wehren. Es ist schwer, wenn man sich in einem Umfeld befindet, dass einen nicht unterstützt. Vergleichbar mit jemanden, der mit Rauchen nicht aufhören kann, weil seine Freunde und Familie keine Rücksicht auf ihn nehmen.

Wenn ich zu Besuch bin oder im Restaurant, bestelle ich oft vegetarisch. Zuhause mache ich mir aus Sojamilch mit einem Ferment immer Sojajoghurt (das schmeckt einfach besser als Sojamilch!) und Honig esse ich. Ich mag Bienen, und ich habe noch nichts gehört was mich von dem Konsum von Honig abbringt.

 Mir ist vor allem wichtig, den Kreislauf der Schlacht- und Milchindustrie zu durchbrechen. Vielen Leuten – Vegetariern – ist wohl nicht bewusst dass um Milch zu geben, die Kühe jedes Jahr geschwängert werden müssen. Die Kälber werden dann weggenommen, die weiblichen Kälber können dann wiederum in die Milchindustrie eingegliedert werden aber wohin mit den Männlichen 50%? Es wäre nicht profitabel, sie ihr Leben glücklich an ihr Ende ausleben zu lassen. Und ganz geschweige von dem vielen Futtermittel dass ein Nutztier verbraucht, eben Nahrungsmittel die der Mensch ohne Umweg über Fleisch zu sich nehmen könnte.

Der Nahrungsertrag für den Endverbraucher würde sich sehr steigern, wenn man die Anbauflächen für Tierfuttermittel (z.B. Soja) stattdessen für pflanzliche Nahrung für Menschen benutzen würde. Zwar muss man weniger fleischliche als pflanzliche Nahrung zu sich nehmen um satt zu werden, aber wenn mit einrechnet wird wie viel Ackerfläche für die Herstellung von Fleisch aufgewendet wird, ist die pflanzliche – vegane – Ernährung eindeutig die bessere Wahl.

Nun hat man (mein Vater) bereits argumentiert, dass diese Tiere „dankbar“ sein sollten, da sie ohne uns gar nicht am Leben wären.

Erstens: Ohne Einwirkung von den Menschen würden sich die Tiere auf. Gar. Keinen. Fall. In diesen Massen reproduzieren.

Zweitens: Die Behandlung der Tiere ist absolut mies, die Grundbedürfnis werden nicht befriedigt. D. h. Eingeschränkte Bewegungsfreiheit und kein normales Sozialleben, sowie eine traumatische Trennung von Kühen und Kälbern.

Weniger im Interesse der Tiere, sondern im Interesse der Menschen ist die Reduzierung der Umweltbelastung, die durch die Massentierhaltung entsteht: Zum einen die bereits erwähnten Anbauflächen für Futtermittel und nicht zuletzt die Freisetzung von Methan, dass wie bereits in einem früheren Post erwähnt, ein starkes Treibhausgas wird.

 Für mich ist es auch nicht unbedingt die Frage, ob Fleisch essen ethisch ist oder nicht. Für den größten Teil der Menschheitsgeschichte waren Menschen zu den einen oder anderen Zeit, aus dem einen oder anderen Grund (Winter, unwirtliche Gegend, Missernten u.v.m) Fleisch überlebensnotwendig. Hierbei ist nun nicht gemeint, dass Tierprodukte für den menschlichen Organismus notwendig sind – über diese Frage wird ja in der Wissenschaft auch noch diskutiert – sondern um prekäre (Über-)Lebensumstände, die wir heute, hier in Deutschland nicht mehr haben. Deutsche können sich leisten, nicht auf Fleisch angewiesen zu sein. Aber die Industrie wohl nicht…

Mir ist klar, dass die Massentierhaltung nicht von heute auf morgen verschwinden wird, aber nur weil es keine schnelle Zauberlösung gibt, lass ich mich in meinem Streben nicht aufhalten. Eine Behandlung von Menschen in diesen Zuständen wäre absolut undenkbar. Ich bin der Meinung dass es unter der Würde der Menschen und nicht den Werten unserer Weltreligionen entspricht, andere Lebewesen auf diese Weise zu behandeln, auch wenn man Tiere essen als ethisch empfindet.

 Als möglichst Vegan lebende Person, ist mir nicht nur das Wohl der Tiere und das Überleben von Tierarten wichtig. Sich pflanzlich zu Ernähren bedeutet auch eine geringere Umweltbelastung durch antibiotika-verseuchte  Fäkalien en masse der Tierindustrie , Zerstörung von Lebensräume (Tropischer Regenwald, der gerodet wird für Anbauflächen) und Erhalt der Meere (Zerstörung des Meeresgrunds mit Schleppnetze um Garnelen u.ä. zu fischen. Und als Nebenprodukt was sonst wenig-essbares da unten rumkrabbelt oder wächst.)

 Aber mein Wissen habe ich mir nicht nur aus dem Internet zusammen gesammelt, obwohl es für schnelle Infos praktisch ist. Während meiner Wochen in Berlin habe ich „Animal Liberation“ gelesen von Peter Singer (durchaus radikal), ein Buch meines Bruder sowohl als „Eating Animals“ von Jonathan Safran Foer „The Rough Guide to Green Living“ die mir meine Mit-Bloggerin Rebecca geschenkt hat 🙂

Unsere Gesellschaft ist fähig, ohne viele Tierprodukte zu leben. Jetzt müssen es nur noch genug wollen. Natürlich ist das nicht das einzige Problem in unserer Welt, aber ich hoffe es wird einmal einfach normal  sein, dass man wenige Tierprodukte zu sich nimmt und auch bei großen deutschen Fastfoodketten mehr vegetarisches Angeboten. Ich bin nicht der Meinung, dass man eine gesunde Ernährungsweise erzwingen soll (sich vegan/vegetarisch ernähren heisst nicht automatisch sich „gesund“ zu ernähren!!), aber dass der heutige Trend zu einem langfristigen Umdenken führt, der sich hoffentlich auch in der Massenproduktion unserer Nahrung niederschlägt.

Gründe für eine bewusste Ernährung (soll heissen ohne Massentierproduktion!) in Stichpunkten…

  • weniger Tierleid
  • mehr Nahrung für alle. Die Population wächst! Die Fläche bleibt gleich! (Jetzt sollten wir nur noch die Verteilung dieser Nahrungsmittel hinkriegen)
  • mehr Wasser für alle. Für die Massen an Fleisch braucht man nicht nur jede Menge Futter für die Tiere, sondern auch jede Menge Wasser.
  • weniger Umweltverschmutzung. Durch Fäkalien, Methan und und.
  • weniger antibiotika-resistente Bakterien. Diese entstehen weniger in den Krankenhäusern, als in den Tierfabriken wo die armen Viecher von vorneherein einen Medikamentencocktail bekommen.
  • Mehr Regenwald. Mehr Luft zum Atmen bei steigender Bevölkerung klingt doch ganz gut.
  • Weniger Ozonloch, wegen weniger Methan und so.
  • Weniger Gifte im eigenen Körper. Je höher man auf der Nahrungspyramide ist, desto mehr bekommt man ab. Vor allem von Fleisch und Fisch.
  • Weniger Krankheiten durch Überkonsum von Fleisch. (Keine Garantie dass ihr dann nicht andere Krankheiten bekommt 😉 Ist jedoch in der Regel weniger Unangenehm als z.B. eine Herzkrankheit)
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2 Antworten to “Eine andere Ernährung”

  1. RePeK 6. April 2011 um 22:19 #

    Ist so gesehen nicht alles eine „halbe Sache“? Völlig ohne Einfluss auf alles um uns herum können wir doch nie sein, immerhin sind wir keine Geistwesen, die sich das Leben nur mal von der Zuschauertribüne aus anschauen. 😉

    Ich bin allerdings auch mehr und mehr dabei, einer veganen Lebensweise positiv gegenüberzustehen. Ich glaube nicht, dass ich jemals völlig vegan leben werde (und wohl auch nicht 100% vegetarisch), aber ich bin mehr und mehr dabei, kritisch zu sehen, unter welchen Bedingungen tierische Lebensmittel „produziert“ werden…

    Nachdem ich den Konsum von Fleisch (und erst recht von Milchprodukten) nicht von Grund auf verwerflich finden kann, wäre für mich wohl die „richtige“ Lösung, meinen Konsum auf ein für mich „vernünftiges“ Maß zu reduzieren (weniger Milch- und Eiprodukte, zwei oder drei Mal im Monat Fleisch) und darauf zu achten, dass das, was ich konsumiere, dann auch wirklich „sicher“ aus tiergerechter Haltung stammt. Aber was heißt schon „sicher“?

    Das ist im Moment die crux, an der ich noch arbeite. Das mit dem Reduzieren ist da schon einfacher… obwohl es Übung (und Selbstbeherrschung) fordert.
    Obwohl…. mmmmmmhhhm, Joghurt! 😉

  2. stepheph 7. April 2011 um 12:27 #

    Leider hast du recht – ein völlig „ethisches“ Leben zu führen ist unmöglich. Aber ich versuche einfach mein bestes zu geben und mich nicht deprimieren zu lassen.

    Und Sojajoghurt ist auch lecker 😉 Aber ich weiss, Soja wird auch in Regenwaldgebieten angebaut… gibt es eigentlich eine Alternative zu Soja und Kuhmilchjoghurt? müsste man mal austesten. Ich habe mal versucht aus Soja-Reismilch Joghurt zu machen, aber ich glaube nur der Sojaanteil ist fermentiert. War trotzdem lecker, und die Pfannkuchen die ich daraus gemacht haben waren… interessant 😉

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