Milchersatzprodukte & BPA in meinem Mixer

30 Mrz

Eigentlich wollte ich nur darüber schreiben, wie ich es geschafft habe, die TetraPaks zu umgehen, die ich eine Weile lang regelmäßig kaufen „musste“, wenn ich anstatt Milch den Dinkel- bzw. Haferdrink ins Müsli mischen wollte, auf den ich umgestiegen war.

Dazu muss ich vielleicht kurz erklären, warum ich überhaupt der Milch (zumindest in purer Form – Käse und Joghurt, Sahne, Quark und ab und zu sogar Butter konsumiere ich ja weiterhin) abgeschworen habe. Und nun ist auch noch im Ablauf meines üblichen Hafermilchproduktionsprozesses (ich liebe Bandwurmwörter :D) ein Problem mit meinem Mixer aufgetaucht, das die Frage aufwirft, was eigentlich das Problem mit Bisphenol A (BPA) ist. Das heißt, aus einem ursprünglich sehr kurz geplanten Beitrag wird jetzt wohl ein weitschweifiger Überblick über Milchersatzprodukte und Gefahrstoffe in Plastik – ich denke, es lohnt sich sowieso, da mal Einiges zusammenzufassen. Weiter unten dann wirklich mein „Rezept“ für Hafer“milch“ – versprochen. 😉

Obwohl ich – von gelegentlichen Heißhunger-Attacken einmal abgesehen – kaum noch Fleisch konsumiere, bin ich, ehrlich gesagt, noch nicht so ganz vom Nutzen einer veganen Lebensweise überzeugt. Mir scheint es zweifelhaft, ob es wirklich so viel umweltfreundlicher ist, anstatt Milch Sojaprodukte zu konsumieren – obwohl ich weiß, dass es auch Bio-Soja gibt, das ohne Gentechnik und abgeholzte Regenwälder produziert wird, stört mich die Tatsache, dass große Mengen von Soja unter diesen Bedingungen wachsen. (Der Fairness halber sollte ich wohl sagen, dass Soja auch in großen Mengen als Tierfutter dient. Und dass deshalb eine fleisch- und milchhaltige Ernährung unter Umständen viel mehr Soja enthält, als wenn wir es direkt konsumieren würden.)

Aber das ändert nichts daran, dass Rinder jede Menge Methan produzieren, dass Methan ein erheblich wirkungsvolleres Treibhausgas ist als das berühmte CO2 – kurz, dass es durchaus sinnvoll wäre, auch den Genuss von Milchprodukten im Rahmen zu halten. Also habe ich mit mir selbst diesen Kompromiss geschlossen: Wo es ein vernünftiges Ersatzprodukt gibt, nutze ich es, ansonsten erlaube ich mir weiter, das „Original“ zu kaufen.

 

Das perfekte Ersatzprodukt waren für mich Hafer- oder Dinkel-Drinks, denn auch Reismilch wollte ich möglichst vermeiden – noch so ein Lebensmittel, das ich zu umgehen versuche, seit ich erfahren habe, dass bei seinem Anbau enorm viel Methan frei wird – wenn ich das richtig im Kopf habe, durch Fäulnisprozesse wegen der Bewässerungsmethoden?  (Hier heißt es aber auch, dass sich viel davon durch alternative Anbaumethoden vermeiden lässt.)

Wie gesagt – waren, bis ich beschlossen habe, auf Plastik-Verpackungen wo immer möglich zu verzichten, und mir durch Internetrecherche habe bestätigen lassen, was ich eigentlich durch bloßes Aufschneiden eines TetraPaks hätte herausfinden können: Die Dinger sind natürlich mit Plastik beschichtet.

Leider habe ich aber noch nie Haferdrink in Glasflaschen zu Gesicht bekommen.

Also was tun?

Selber machen?

Funktioniert ja bei vielen Dingen ganz gut, also habe ich spaßeshalber mal die Zutatenliste studiert und festgestellt, dass außer dem betreffenden Getreide, Wasser, Salz und etwas Öl praktisch nichts drin ist in diesen Drinks.

Meine ersten Versuche waren nicht besonders erfolgreich, aber das Internet wusste auch hier wieder Rat und hatte ein Rezept, das mir leicht abgewandelt seitdem als Grundlage für mein Müsli dient. Meine Version davon lautet folgendermaßen:

 

8 Teelöffel Haferflocken

1 Teelöffel Stärkemehl (kann man vermutlich auch weglassen… habs noch nie probiert)

1 Teelöffel Honig oder Zucker (geht natürlich auch ohne, ich mag es einfach leicht gesüßt lieber)

1 Prise Salz und

ca. 400 ml warmes Wasser

 

Bis gestern habe ich all das einfach in meinen Mixer geworfen, einmal durchgemixt und dann in eine ausgespülte Milchflasche gefüllt.

Und gestern dann?
Fiel mir beim Spülen der kleine Aufkleber auf dem Boden eines der Mixbehälter auf: das bekannte kleine Dreieck aus drei Pfeilen mit dem Code „7 – PC“ in der Mitte.

 

Das hat mich neugierig gemacht (ich habe mich schon öfter gefragt, welche Kunststoffarten sich eigentlich wodurch auszeichnen – immerhin ist ja bekannt, dass nicht alle das gleiche Gesundheitsrisiko darstellen) und ich bin mal wieder an die Recherche gegangen.

Das heißt, Recherche kann man so was natürlich nicht nennen – ich würde mir nie anmaßen, meine Suchmaschinen-Erfolge als wissenschaftliche Untersuchung zu verkaufen. Aber Folgendes habe ich gefunden: Die für mich brauchbarste Auflistung war die von PlanetGreen, auf Englisch zwar (und dabei habe ich mir doch vorgenommen, diesen Blog auf Deutsch zu verfassen), aber dafür enthält sie neben den Bezeichnungen der Kunststoffe auch deren häufigste Einsatzgebiete und (und das habe ich bei keiner der deutschen Auflistungen gefunden, vielleicht habe ich auch nur an der falschen Stelle gesucht) damit in Verbindung gebrachte Gesundheitsrisiken.

 

Und was diese Liste über meinen Mixer sagt, gefällt mir gar nicht. PC (Polycarbonat) ist der Kunststoff, der in den Medien dadurch präsent geworden ist, dass er Bisphenol A absondert – ein Stoff, der laut www.plastic-planet.at

„das Hormonsystem von Menschen und Tieren beeinflusst, da er östrogenartige Wirkungen hat.

Stoffe mit hormonartigen Wirkungen werden als „Endokrin wirksame Substanzen“ (endocrine disrupting chemicals, EDC) bezeichnet. Das endokrine (hormonelle) System reguliert viele Körperfunktionen, dazu gehören unser Stoffwechsel, Immunsystem, Verhalten und Wachstum sowie die Organentwicklung während der Schwangerschaft und in der Kindheit.

Die Störung des Hormonsystems durch EDC wurde mit verfrühter Geschlechtsreife bei Mädchen, Übergewicht bei Erwachsenen und Jugendlichen, Diabetes Typ 2 (früher als Altersdiabetes bezeichnet), einer Zunahme an Prostata- und Brustkrebsfällen, sowie mit der Abnahme der Spermienzahl und Fehlbildungen der Sexualorgane in Verbindung gebracht.“

(http://www.plastic-planet.at/wissenschaft/bisphenola.html)

Wow.

Ich habe zwar beschlossen, die meisten meiner bisher vorhandenen Plastik-Utensilien erst mal weiter zu verwenden, weil sie wegzuwerfen die eventuell enthaltenen problematischen Stoffe ja auch nicht aus der Welt schafft und es mir, Plastik hin oder her, widerstrebt, praktisch neue Gebrauchsgegenstände einfach auf den Müll zu werfen.

Aber etwas, das eventuell solche Konsequenzen hat, möchte ich dann eigentlich doch nicht in meinem Haushalt haben.

Nach langem hin und her habe ich jetzt folgendes beschlossen: Der Mixer bleibt. Aber er wird nur noch benutzt, wenn es absolut nicht anders geht – ansonsten werden die Sachen von Hand gemischt oder mit dem Stabmixer püriert.

(Quelle: Amazon.de. Dort habe ich auch Küchenmaschinen mit Glasaufsatz gefunden, für den Tag, an dem ich entgültig beschließe, meinen „Mr Magic“ zu ersetzen…)

Meine Hafermilch lässt sich auch so ganz gut herstellen: Die Haferflocken zerkleinere ich vorher im Mörser (spart außerdem Strom), gemischt werden die Zutaten direkt in der Glasflasche, durch ausgiebiges Schütteln.

Und damit beende ich diesen Monsterpost.

Er ist vielleicht ein bisschen verworren und schneidet gleich sehr viele, sehr komplexe Themen an, die ich niemals in ihrer gesamten Breite behandeln kann (schon, weil ich sie selbst nicht ganz überblicke), aber er macht wohl klar, wie viele Überlegungen mit einfließen, wenn man erst mal anfängt, seinen eigenen Konsum gründlich zu überdenken.

Was mich ein bisschen tröstet, angesichts meines eigentlich deprimierend kleinen Wissensbestandes über all diese Problematiken, ist, dass es mir trotzdem gelungen ist, einen – zumindest aus meiner Sicht – akzeptablen Kompromiss zu finden. Und dass er im Endeffekt nicht einmal schwer zu realisieren ist.

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2 Antworten to “Milchersatzprodukte & BPA in meinem Mixer”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Vegane und plastikarme Bäckerei – Wer will schon auf Plätzchen verzichten? « mueckeblog - 11. Dezember 2011

    […] Nuss“milch“ herzustellen – zum Beispiel so ähnlich wie meine Hafermilch, die ich hier vorgestellt habe. Noch einfacher geht’s, wenn man Milch im Backrezept durch Wasser und einen […]

  2. Kokosmilch selbst gemacht « mueckeblog - 7. Mai 2012

    […] entweder mit Prinzipien brechen oder einen vernünftigen, veganen Ersatz finden – bloß wo? (Selbstgemachte) Hafermilch ist recht und gut für Müsli und Co, aber ersetzt nicht das gewisse cremige Etwas, das z.B. zum […]

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